Mit einem festlichen Pontifikalamt, einem Festakt und einem Nachmittag der Begegnung haben die Schönstätter Marienschwestern am 3. Oktober ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Schwestern aus verschiedenen Ländern, Mitglieder der internationalen Schönstattfamilie, Vertreter aus Kirche und Gesellschaft sowie Angehörige und Freunde kamen auf Berg Schönstatt zusammen, um gemeinsam auf die Geschichte der Gemeinschaft zurückzublicken und den Blick auf ihre Zukunft zu richten.

Festgottesdienst mit Kardinal Koch
Der Festtag begann mit einem internationalen Pontifikalamt in der Pilgerkirche. Hauptzelebrant war Kardinal Kurt Koch aus Rom. Mit ihm feierten unter anderem Erzbischof Vincent Dollmann aus Cambrai (Frankreich), Bischof Jan Vokál aus Hradec Králové (Tschechische Republik), Bischof Krzysztof Zadarko aus Koszalin (Polen), Bischof Josef Clemens, Bischof Ulrich Neymeyr, Bischof Wolfgang Ipolt, Bischof Michael Gerber sowie die Weihbischöfe Thomas-Maria Renz und Jörg Michael Peters. Auch P. Alexandre Awi Mello, Vorsitzender des Generalpräsidiums des internationalen Schönstattwerkes, P. Zenon Hanas Generalrektor der Gesellschaft der Pallottiner, und Dr. Bernd Biberger, Generaldirektor des Säkularinstituts der Schönstätter Marienschwestern, gehörten zu den Konzelebranten.
Zu Beginn des Gottesdienstes brachten zehn Schwestern aus verschiedenen Ländern und Kulturen ein Licht zum Bild der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt. Das Licht stand für den Dank für die ersten hundert Jahre und für das Vertrauen, dass Maria die Gemeinschaft auch auf ihrem weiteren Weg führen wird.

Die Lesung aus dem Epheserbrief und das Evangelium vom Besuch Marias bei Elisabet bildeten den biblischen Rahmen für die Predigt Kardinal Kochs.
„Wie Maria und mit Maria Christus zu den Menschen bringen“
In seiner Predigt verband Kardinal Koch den dankbaren Rückblick mit einem hoffnungsvollen Ausblick. Die 1926 von Pater Josef Kentenich gemeinsam mit 18 Frauen gegründete Gemeinschaft habe bereits wenige Jahre später eine starke Entwicklung genommen. Das Jubiläum sei deshalb Anlass, die vergangenen hundert Jahre dankbar in die Hände Gottes zurückzulegen. Zugleich verwies Koch auf das Jubiläumsmotto „Maria – Licht unserer Hoffnung“ und auf Maria als die „neue Eva“, die durch ihren Glauben den Weg zu neuem Leben weist.
Ausgehend vom Evangelium vom Besuch Marias bei Elisabet stellte der Kardinal die Freude als eine Frucht der Gnade heraus. Maria behalte das, was sie von Gott empfangen habe, nicht für sich. Sie mache sich auf den Weg und bringe Christus zu anderen Menschen. Besonders betonte Koch, dass Maria zu Elisabet „eilte“. Daraus leitete er den Gedanken ab, dass die Anliegen Gottes für Christen Priorität haben sollen.
Darin sah er auch die besondere Sendung der Marienschwestern. Maria trage Christus zu den Menschen – und genau darin habe Pater Kentenich von Anfang an einen Auftrag der Schwestern gesehen: Christus zu den Menschen zu bringen und sie in seine Nähe zu führen. Diese Aufgabe habe auch nach hundert Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren. Entscheidend sei dabei nicht allein das Weitergeben von Glaubensinhalten, sondern ein glaubwürdiges christliches Leben, das aus der eigenen Freundschaft mit Christus heraus Zeugnis gibt.
Koch erinnerte zugleich daran, dass die Gemeinschaft heute vor anderen Herausforderungen steht als in ihren Anfangsjahren. Weniger Berufungen und Veränderungen in Kirche und Gesellschaft seien Teil der gegenwärtigen Situation. Gerade darin liege die Einladung, neu auf die Gnade Gottes zu vertrauen. Sein Blick auf die Marienschwestern mündete in den Dank für ihr Zeugnis der vergangenen hundert Jahren und für ihren Dienst in Gegenwart und Zukunft.

Festakt: 100 Jahre – gestern, heute, morgen
Nach einer Pause mit Stehkaffee begann um 11.45 Uhr der Festakt unter dem Titel „100 Jahre Schönstätter Marienschwestern – gestern. heute. morgen“. Zu den Ehrengästen gehörten neben den Bischöfen unter anderem Staatsminister Achim Schwickert (Rheinland-Pfalz), Vertreter des Landkreises und der Stadt Vallendar, weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens. Auch Pallottiner, Mitglieder des General- und Landespräsidiums des Schönstattwerkes, und weitere Gäste nahmen teil.

Nach der Begrüßung durch die Generaloberin und den Generaldirektor gab eine internationale Präsentation mit Film, Interviews, Zeitzeuginnen und Musik Einblicke in die Geschichte der Gemeinschaft. Die Festansprache hielt Generaloberin Sr. M. Joanna Buckley.
Es folgten verschiedene Grußworte.
Den Auftakt machte der rheinland-pfälzische Innenminister Achim Schwickert. Er würdigte die Menschen, die sich bewusst für ein Leben mit Gott, für das Miteinander in einer Gemeinschaft und für den Dienst am Nächsten entschieden haben.Seit ihrer Gründung vertrauen die Marienschwestern auf die Fürsprache und Begleitung Mariens. Darin sieht Schwickert eine Haltung, die den Menschen Freiheit schenkt und ihnen ermöglicht, ihren Weg gemeinsam mit Gott zu gehen.

P. Zenon Hanas, Generalrektor der Pallottiner, hob in seinem Grußwort die enge geistliche und geschichtliche Verbundenheit beider Gemeinschaften hervor. Bei seinen Begegnungen mit Pallottiner-Gemeinschaften auf verschiedenen Kontinenten treffe er immer wieder auf Schönstätter Marienschwestern. Die gemeinsamen geistlichen Wurzeln hätten dazu geführt, dass sich apostolische Werke beider Gemeinschaften vielfach in enger Nähe entwickelt hätten.

Hanas griff auch das Jubiläumsmotto „Maria – Licht unserer Hoffnung“ auf. Besonders beeindruckt habe ihn die Videoserie „Gesichter der Hoffnung“. Die darin sichtbaren Schwestern seien für ihn konkrete „Gesichter“ dieses Lichtes. Für die Zukunft wünschte er der Gemeinschaft, auch im 21. Jahrhundert Licht der Hoffnung für Menschen auf der Suche nach dem Glauben zu sein, und verband damit den Wunsch nach neuen Berufungen.

Auch P. Alexandre Awi Mello, Vorsitzender des Generalpräsidiums der internationalen Schönstattbewegung, gratulierte im Namen der weltweiten Schönstattfamilie und der Schönstatt-Patres. Er würdigte die vielfältige Präsenz der Marienschwestern – von den Heiligtümern und Niederlassungen bis zum Gebet und zum sozialen und apostolischen Einsatz. Zugleich betonte er die enge Verbundenheit der beiden Gemeinschaften und dankte für die gemeinsame Geschichte und Zusammenarbeit.
Ein Nachmittag der Begegnung
Nach dem Festakt waren die Gäste zum gemeinsamen Mittagessen und Kaffee eingeladen. Die Bewirtung fand in mehreren Häusern Schönstatts statt – im Pilgerhaus, im Marienland, im Mutterhaus und im Schulungsheim. So verteilten sich die Festgäste über den Berg und konnten auch verschiedene Häuser und Orte der Gemeinschaft kennenlernen.

Von 14.30 bis 18 Uhr stand anschließend das „Fest der Begegnung rund um das Mutterhaus“ auf dem Programm. Dabei öffneten die Marienschwestern ihre Häuser und boten zahlreiche Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Bei „Auf ein Wort mit den Marienschwestern“ konnten Besucher an Gesprächsinseln persönliche Begegnungen suchen. Im „Café Plus“, bei der Jubiläumsausstellung im Mutterhaus und bei Führungen durch Noviziatshaus, Schulungsheim und Anbetungshaus wurde die Geschichte und Gegenwart der Gemeinschaft unmittelbar erfahrbar.

Auch die Kirchen und Heiligtümer waren geöffnet. Für Kinder gab es kreative und aktive Angebote mit Marienschwestern, während die Jubiläumsmeile weitere Stationen zum Entdecken bot. In der Anbetungskirche lud die Reihe „Atempause – Worte, Töne, Stille“ zu Momenten der Ruhe ein; auf der offenen Bühne erklang Musik aus verschiedenen Ländern.
Am Nachmittag gab es zudem mehrere besondere Gesprächs- und Informationsangebote: Zeitzeuginnen berichteten persönlich aus der Geschichte der Gemeinschaft, der neue Dokumentarfilm „Von innen her“ wurde gezeigt, und bei Podien ging es um das soziale Wirken der Marienschwestern sowie um ihre Arbeit an Schönstattheiligtümern weltweit. Ein weiterer Programmpunkt widmete sich dem Leben und Weg von Sr. M. Emilie.
So wurde der zweite Jubiläumstag nicht allein zu einem Rückblick auf 100 Jahre Geschichte. Das offene Miteinander am Nachmittag machte vielmehr sichtbar, wie vielfältig die Beziehungen der Marienschwestern zu Menschen, Orten und Aufgaben gewachsen sind – und gab dem Jubiläum ein persönliches und internationales Gesicht.
Fotos Sr. Francine-Marie Cooper















