18.08.2026

Maria – in uns geh durch unsere Zeit, mach für Christus sie bereit!

Sr. M. Noemi Massaro
Deutschland

Café plus – Geschichten

Im Café plus auf Berg Schönstatt darf ich immer wieder  erleben: Für viele Menschen wird die Begegnung im Café plus neben Kuchen, Kaffee, Cappuccino, Eis, Getränk o.ä. zu einem Hoffnungszeichen, das sie ermuntert, froh macht und an Leib und Seele gestärkt wieder gehen lässt. Ich bitte die Gottesmutter jeden Tag, in mir und durch mich den Menschen, die kommen, zu begegnen, sie spüren zu lassen, dass sie da ist.

In einer besonderer Weise durfte ich das bei einem 22jährigen Studenten erleben. Er studierte an der WHU hier in Vallendar und kam vor ca. 2 – 2 1/2 Jahren das erste Mal ins Café. Anfangs war er zurückhaltend. Es blieb bei einer normalen Begrüßung und paar nette Worte. An einem Nachmittag blieb er länger da, und ich fragte ihn, ob er in Vallendar wohnt oder in der Nähe. Er erzählte mir, dass er aus Hamburg kommt und an der WHU studiert. Er kommt gern zu Fußnach hier, um in der Kirche zu beten. Und das dem Café hier sei eine gute Sache. Da kann er sich stärken. Oft war das sein Mittagessen.

Immer öfter suchte er dann das Gespräch. Vor allem dann, wenn nicht viele Gäste im Café waren. An einem Tag fragte er mich, ob ich auch so eine Gebeteskette hätte. Er meinte den Rosenkranz. Ich hatte einen, den ich ihm dann beim nächsten Besuch schenkte. Er freute sich sehr. Immer wieder hatte er Fragen zum Glauben. Ein Mal fragte er, ob er hier beichten könne, auch wenn er nicht getauft ist. Er wisse auch nicht, wie das genau geht. Ich sagte ihm, er könne schon hingehen und das dem Priester vorher sagen. Er würde ihm schon helfen. Er ging dann an einem Samstag beichten und kam ganz zufrieden zurück. Ich hatte schon länger gemerkt, dass er auf der Suche ist, und so nahm ich mir immer ein bisschen Zeit, um mit ihm zu reden, wenn das Bedienen im Café es erlaubte. Es ging in der Regel um Glaubensfragen. Er las viel in der Bibel, schaute sich gute Videos über den Glauben im Internet an und stellte dann dazu Fragen. Es war ihm wichtig zu wissen, wie ich das sehe. Am Sonntag ging er immer wieder mit einem Freund von der WHU zur Hl. Messe zu den Klarisinnen zum Kloster Betlehem in Koblenz.

Ich erfuhr mit der Zeit, dass seine Eltern Atheisten sind. Sie sind vor vielen Jahren aus Albanien nach Deutschland gekommen noch bevor er geboren wurde, und sind aus Überzeugung Atheisten geblieben. Als ich fragte, wie er nun auf den Glauben gestoßen sei, meinte er, durch Leid habe er Jesus entdeckt. Mehr nicht. Ich fragte auch nicht weiter.

Und dann kam der Tag vor über einem Jahr, an dem er mir sagte, dass er sich taufen  lassen möchte. Was zu machen sei, wie das ginge usw. Er überlegte, ob er evangelisch, orthodox oder katholisch werden wolle. Ich ließ ihm Freiheit und erklärte nur die Unterschiede. Und dann kam der Tag, an dem er sagte, dass er einiges gelesen hatte und zur Erkenntnis gekommen sei, dass die katholische Kirche die Kirche Jesu Christi ist, die wirklich von Anfang an auf ihn zurückgeht. Er wolle mit der Vorbereitung auf die Taufe beginnen. Es war kurz vor seinem Auslandssemester, das er in Toronto verbrachte. Ich ermunterte ihn, den Weg zu gehen. Vielleicht gäbe es in Toronto eine Möglichkeit.

Dann hörte ich lang nichts mehr von ihm, aber ich betete für ihn und lud die Filiale dazu ein, es auch zu tun.

Anfang Januar 2026 kam dann ein Anruf im Café von ihm. Er sei in den USA und habe meine Mitschwestern getroffen. Er würde mir gern ein Bild schicken ob ich ihm die Handy-Nummer geben könne.  Ich tat es, und ich bekam ein Bild mit drei freudestrahlenden Schwestern und ihm.  

Bevor er nach Kanada ging, wollte er von mir Adressen von unseren Schwestern in den USA haben. Er wollte dorthin gehen und sie besuchen. So weit kam es zwar nicht, aber er nahm in den USA Anfang Januar an einem katholischen Event mit vielen jungen Leuten teil und traf dort unsere Schwestern. Er schrieb dann, dass er in den USA eine ganz tolle Zeit hatte mit vielen jungen Katholiken und dass er in im Newmann Centre an der University of Toronto sein Katechumenat angefangen und schon zur Hälfte absolviert hatte .

Er erzählte mir, dass er das ganz offiziell und öffentlich vor der ganzen Gemeinde begonnen habe. Mit dem Priester dort traf er sich öfter zum Katechismusunterricht.

Er bat mich dann, dafür zu sorgen, dass er, wenn er Ende Januar bis Ende Februar wieder in Vallendar ist, mit der Taufvorbereitung weiter machen kann. Ich solle einen Schönstattpriester fragen oder eine Schwester. Ich dachte, ein Priester ist sicher besser. Nach verschiedenen Absagen sagte Pater Unkel zu.

Als er wieder in Vallendar war, kam er ins Café und als ich P. Unkel anrief, kam er sofort ins Café. So konnte ich sie bekannt machen. Sie machten einen ersten Termin aus auf Berg Sion. Das bedeutete für den jungen Mann, zu Fuß nach Berg Sion zu laufen, um sich zu treffen. Er war ja das Pilgern auf Berg Schönstatt schon gewohnt und nahm es gern auf sich. In dieser Zeit kam er auch öfter ins Café und stellte wiederum viele Fragen.

An einem Tag äußerte er, er wolle sich gern im Jordan taufen lassen, wie Jesus, und wenn es geht, um Ostern herum. Er fand heraus, wo dort eine katholische Kirche ist, nahm Kontakt mit dem Priester dort auf und hatte schon fast alles fertig, als der Krieg ausbrach. Das stimmte ihn traurig und er meinte, jetzt müsse er doch seine Taufe verschieben. Er könne das seinen Eltern nicht antun. Er warte aber ab, vielleicht sei der Krieg bald zu Ende. Dem war nicht so. Ich ermunterte ihn, in den Osterferien in Hamburg die katholische Pfarrgemeinde aufzusuchen, mit dem Pfarrer zu reden. Er wusste gar nicht, ob es dort eine katholische Kirche gibt. Wir fanden über das Internet eine Kirche, die der Jungfrau Maria geweiht ist. Er entdeckte, dass diese nicht weit weg von dem Kindergarten ist, den er besucht hatte. So kamen die Osterferien, und ich hörte eine Weile nichts mehr von ihm. Nach den Ostertagen kam er wieder nach hier. Seine Gemeinde hatte er nicht aufgesucht. In Hamburg gibt es kaum Katholiken, deshalb habe er München als Wahlheimat gewählt. Dort studiert er seit über einem Jahr Philosophie. Es kamen seine letzten Klausuren, mündliche Prüfung usw.

Er kam öfter ins Café und immer wieder ging es darum, wie es jetzt mit der Taufe werden wird. Er wolle doch nicht mehr so lange warten. Bevor das nächste Semester in München beginnt, wolle er sich taufen lassen. In einem solchen Gespräch sagte ich spontan, er könnte es auch hier machen oder in Rom, im Zentrum der katholischen Kirche. – Rom, das war für ihn der richtige Ort. Sein Vater sei schon mal dort gewesen. Ich meinte dann, vielleicht könne er dann auch kurz Papst Leo treffen oder mindestens sehen. Er sprach öfter, dass er vom Papst Leo beeindruckt sei und dass er ihn für einen ganz tollen Mann und Priester hält.

Und so fing meine Arbeit an, zu schauen, ob und wo es in Rom möglich ist. Wir fanden die Adresse der Pfarrei in St. Peter, schrieben gemeinsam den Pfarrer dort an, auf englisch und italienisch und warteten auf Antwort. Es kam keine. So suchte mir Schwester M. Birgit die Telefonnummer des Pfarrbüros und machte mich darauf aufmerksam, dass der Papst im Juli in Gastel Gandolfo sei. So könne erst Anfang August eine Generalaudienz stattfinden. Ich rief im Pfarrbüro an und  am anderen Ende antwortete eine ganz freundliche Ordensschwester, die mich bat, die Anfrage an das Pfarrbüro zu senden, grundsätzlich sei das schon möglich. Sie erklärte mir, was alles zu tun ist. Wenn man selber einen Priester hätte, wäre es einfacher. So versuchte ich über Schw. M. Julia in Rom an die Kontaktdaten von einem der Schönstattpatres zu kommen. Pater Pablo Perez sagte dann zu. Es brauchte einige Telefonate und einiges an Unterlagen, aber dann stand das Datum fest: der 04. August 10.00 Uhr im Petersdom in einer Seitenkapelle. Am 05. August sei dann die Audienz. Unterkunft und Tickets für die Generalaudienz, um mit hoher Wahrscheinlichkeit den Hl. Vater zu sehen, waren noch zu besorgen. Meine Mitschwestern, die zur Filiale gehören und in Rom waren, gaben mir gute Tipps. Schw. M. Pilar half mir, den Brief für die Prefettura della Casa Pontificia aufzusetzen. Und ich war nicht wenig überraascht, als ich nach einer Woche Antwort bekam. Die Tickets konnten am Portone di Bronzo abgeholt werden. Das war schon mal ein ganz gutes Zeichen. Eine Begegnung mit dem Hl. Vater wird höchstwahrscheinlich möglich sein. Das freute mich sehr.

Der junge Mann wünschte sich, dass ich seine Taufpatin bin, auch wenn ich in Rom nicht dabei sein kann. Dem konnte ich zustimmen, denn ich wusste, dass es für ihn wichtig ist.

Und so kam es, dass Schw. M. Cacilda und Schw. M. Sofja bei der Feier mit den Initiationssakramenten: Taufe, Kommunion und Firmung dabei waren. An den Bildern merkt man, dass er glücklich ist.  Anschließend luden sie ihn zum Mittagessen in unserem Haus beim CorEcclesiae-Heiligtum ein. Im Heiligtum betete er lange, wie ich dann hörte. Er schrieb mir, dass es für ihn ein schönes und tiefes Erlebnis war.   

Die ganze Filiale hier in Schönstatt wurde eingeladen, mit zu beten, damit es für ihn ein tiefes Erlebnis wird, dass alles gut geht, und dass die Begegnung mit dem Hl. Vater möglich wird. Und auch das wurde möglich. Er und Schw. M. Sofja gingen am 05.08. zur Hl. Messe um 7.00 Uhr in den Petersdom, die in der Seitenkapelle zelebriert wurde, wo er am Vortag getauft worden war. Das freute ihn sehr.

Die Audienz fand im Petersdom statt wegen den sommerlichen Temperaturen. So waren sie bei den ersten, die Platz nahmen. Sie waren in der ersten Reihe mit guter Sicht zur Altarinsel. Und sie konnten beide dem Hl. Vater die Hand geben. Sein Anliegen war, dass er ihm sagt, dass er am Tag davor getauft worden ist und nun zur katholischen Kirche gehört. Der Hl. Vater freute sich.

E. brachte sehr oft seine Dankbarkeit zum Ausdruck für alles, was für ihn unternommen wurde und dafür, dass dies alles möglich wurde.

Ja, in uns geh durch unsere Zeit, mach für Christus sie bereit.

Nun gilt es zu danken und ihn weiterhin zu begleiten, als Taufpatin habe ich ja eine besondere Verantwortung übernommen.