28.07.2026

„100 Orte für 100 Jahre“ in Großmaischeid / Rheinland-Pfalz

Schwester Marié Munz
Deutschland

„Jeden Tag fallen mir noch Situationen und Gespräche vom letzten Sonntag hier in unserer Kirche ein. Es sind durchweg gute Gedanken und besonders eine große Dankbarkeit dafür, dass wir alle zusammen eine solche Atmosphäre des Dankens und Erinnerns schaffen konnten! – Wir danken Ihnen ganz herzlich für diese wunderbare Idee, frühere Wirkungsstätten Ihrer Mitschwestern zu besuchen!“, schreibt Regine Engel im Nachklang der Jubiläums-Aktion „100 Orte für 100 Jahre“ am 19. Juli 2026 in Großmaischeid. 

Großmaischeid im Westerwald ist das Ziel der vier Schönstätter Marienschwestern, die sich am Sonntag, 19. Juli 2026 von Schönstatt-Vallendar aus auf den Weg machen zur Jubiläumsaktion „100 Orte für 100 Jahre“. Insgesamt 42 Marienschwestern lebten und wirkten dort von 1931 bis 2001. Mit dabei ist das Auxiliar-Bild, das große Pilgerheiligtum, als Zeichen dafür, dass die Gottesmutter vom Urheiligtum aus heute reichen Segen schenken möge. In der Kath. Pfarrkirche „St. Maria Magdalena“ sind Wolfgang Bayer, der Wort-Gottesdienst-Leiter, mit seinem Team – Gabriele Schuster-Wagner, Conrad Miesen, Karin Hörter-Schmidt und Regine Engel – und weitere Engagierte bereits tätig. Die Schwestern werden herzlich willkommen geheißen und letzte Absprachen getroffen. Alle freuen sich, dass sich die Kirche mit ca. 70 Teilnehmenden füllt. 

Herr Bayer eröffnet den Gottesdienst, die Ortsverantwortliche für die Pilgernde Gottesmutter in Großmaischeid, Regine Engel, gibt einige Gedanken zur Einführung. Sie weist auf das Pilgerheiligtum Nr. 1 hin, das beim Altar steht und nach wie vor in Großmaischeid seine Kreise zieht. Es gehört zu den drei Pilgerbildern, mit denen 1997 in Deutschland das Projekt Pilgerheiligtum zur Vorbereitung auf das Heilige Jahr 2000 durch das Engagement der Schwestern anfing. 

Danach begrüßt Schw. M. Alena Engelhardt, die Leiterin vom Projekt Pilgerheiligtum in Deutschland, die Anwesenden und dankt für die Offenheit und das gute Zusammenwirken zur Vorbereitung dieser kleinen Jubiläumsfeier. Zwei Schwestern bringen als Zeichen der Verbundenheit und des Dankes einen bunten Blumenstrauß und ein Jubiläumslicht zum Altar. Während des Gottesdienstes gibt Schw. M. Luka Zeugnis von ihrem Berufungsweg, bei dem die Weltjugendtage eine wichtige Rolle spielten. Die Orgelklänge und das Singen – auch einige Lieder, die von den Schwestern vorgesungen werden – und nicht zuletzt die aufgeschlossenen Herzen lassen eine schöne, frohe, dankbare Gesamtatmosphäre entstehen. Beim anschließenden Imbiss im Seitenschiff der Kirche klingt alles in guten Begegnungen und Gesprächen weiter. 

„Es ist so schön, es ist wie früher: die Schwestern in den vorderen Bänken“, äußert eine Teilnehmerin. 

„Ich bin als kleines, etwas ängstliches Kind immer an der Hand meiner Mutter zum Kindergarten gegangen. In Sichtweite des Kindergartens fragte ich, ob eine bestimmte Schwester dort sei. Bejahte meine Mutter, rannte ich die restlichen Meter zum Kindergarten allein los“, erzählt eine Frau mit leuchtenden Augen. 

Mit Aufmerksamkeit hören alle den Brief von Schw. M. Irmgunde Groß, der letzten Oberin der Filiale Großmaischeid vor ihrer Auflösung 2001, den sie zu diesem Anlass geschrieben hat. Regine Engel liest ihn vor und nimmt danach die Anwesenden zu einem Gang durch die Geschichte mit in Bildern und Chronikauszügen. Vor allem aber ihr persönliches Zeugnis spricht für sich:  

„Und genau das war es, was die Schwestern auszeichnete. Sie verrichteten nicht nur ihren Dienst nach Vorschrift, sondern sie hatten ein Herz für ihre Mitmenschen mit einem großen Maß an Zugehörigkeitsgefühl, an Mitgefühl, Hilfsbereitschaft … und – nicht zu vergessen – mit vielen Gebeten! Denn wie sagt Sr. Irmgunde in ihrem Brief? ‚Wir Schwestern haben sehr viel dafür gebetet, damit die Gottesmutter in den Familien aufgenommen wird und Segen schenken kann‘. – Die Schwestern haben für die Menschen im Dorf gebetet! Ist das nicht ein wunderbarer Gedanke? Und nicht nur ein schöner Gedanke, sondern vielleicht Ansporn für uns, auch mit- und füreinander zu beten? Besonders in diesen Zeiten, in denen das Beten aus der Mode zu kommen scheint!? Nun fragen Sie sich vielleicht, warum ich Ihnen das alles erzähle … Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass die Schönstätter Marienschwestern zwar 71 Jahre lang hier präsent waren, aber dass der Geist von Schönstatt immer noch in unseren Gemeinden gegenwärtig ist: 

Erstens in Form der Pilgerkreise, die von Schönstatt ausgesendet auch nach fast 30 Jahren ihre Runden bei uns in knapp 70 Häuser und Familien machen. 

Zweitens hat Sr. Irmgunde sich dafür stark gemacht, dass das damals neu renovierte Heiligenhäuschen in der Isenburger Straße nicht nur ein Kleinod zum Verweilen ist. Auf ihre Initiative hin wird das Kapellchen jedes Jahr im September zum Ziel einer Lichterprozession, die viele Menschen anzieht, die zu allen Zeiten auf die Fürsprache der Gottesmutter vertraut haben und weiterhin darauf vertrauen.  

… Das heißt, die Beziehung zu den Schönstatt-Schwestern ist mit dem Wegzug der letzten Schwestern und der Schließung der Schwesternstation gar nicht zu Ende gegangen, sondern sie besteht weiter: 

in den Pilgerheiligtümern, in den Lichterprozessionen und – nicht zu vergessen – in den Besuchen, die uns eine ihrer Schwestern jedes Jahr ein- bis zweimal abstattet, nachdem Sr. Irmgunde das von Thüringen aus nicht mehr schaffen kann.“ (Regine Engel)

Begleitet von Applaus überreicht Regine Engel an Schw. M. Alena als Präsent ein Chronik-Buch über die 800-jährige Ortsgeschichte, in dem auch einige Seiten über die Schönstätter Marienschwestern zu finden sind, sowie ein Bild vom Heiligenhäuschen mit dem Schönstatt-Bild. 

Schw. M. Alena spricht im Namen der Gemeinschaft den Dank aus für die gemeinsame, segensreiche Zeit und verspricht das Gebet und die weitere Verbundenheit. 

Noch lange stehen die Menschen beisammen und erst nach und nach löst sich die familienhafte Begegnung auf. In den Gesichtern sind die Spuren der Freude erkennbar, die nun in so manchen Gesprächen Zuhause oder bei Freunden weitere Kreise ziehen kann. 

Die nächsten Termine von „100 Orte für 100 Jahre“:
1. August 2026: Vallendar (Bistum Trier)
23. August 2026: Duisburg (Bistum Essen)
12. September 2026: Mannheim (Erzbistum Freiburg)
13. September 2026: Arnstadt (Bistum Erfurt)
Kontaktadresse: hundert.orte@s-ms.org
Fotos: Jeanett Bayer und Sr. Marié Munz