03.06.2026

Offene Türen und offene Herzen in Dingelstädt

Sr. M. Paulina Butz
Deutschland

Offene Türen und offene Herzen
in Dingelstädt

Im Rahmen der Jubiläums-Aktion der Schönstätter Marienschwestern „100 Orte für 100 Jahre“ besuchen kleine Gruppen von Schwestern bisherige Wirkstätten der Gemeinschaft – als Zeichen der Dankbarkeit für die gewachsenen Verbindungen und mit dem Anliegen, die Menschen an diesen Orten mit dem Gnadenstrom des 100-Jahr-Jubiläums in Kontakt zu bringen. So kam es am 17. Mai 2026 zu Jubiläumsbegegnungen in Dingelstädt, Bistum Erfurt.

Silberhausen – Festgottesdienst

„Gern, kommen Sie!“

Als Marienschwestern in der Pfarrei St. Gertrud, Dingelstädt, nachfragen, ob sich mit dem Kapellchenfest in Silberhausen am 17. Mai 2026 ein Besuch im Rahmen ihrer Jubiläums-Aktion „100 Orte für 100 Jahre“ verbinden lässt, stoßen sie auf offene Türen. „Gern, kommen Sie!“ reagiert Pfarrer Roland Genau prompt. Und Theresa Wirth, Vorsitzende des Kirchortrates, meint hinsichtlich des überlegten Programmbeitrags: „Das hört sich sehr schön an. Sie können das gern so durchführen. Wir freuen uns schon.“

Hoffnung stärken in einer Zeit großer Veränderungen

Silberhausen Marienkapelle

111 Jahre Marienkapelle mit feierlicher Einweihung des neugestalteten Kreuzwegs sind der Anlass des Festes, das etwa 300 Personen jeden Lebensalters aus Silberhausen und Umgebung anzieht. Unter ihnen drei Marienschwestern aus Friedrichroda, zwei davon gebürtige Dingelstädter: Sr. M. Sonnhild Keppler und Sr. Marita Trümper. Begleitet werden sie vom Interesse und Gebet vieler ihrer Mitschwestern. Die Schwestern bewegt der Wunsch, „Dankbarkeit und Erinnerungen lebendig werden zu lassen und auch ein bisschen Hoffnung zu stärken in einer Zeit großer Veränderungen“.

Schönstatt-Berufungen aus Dingelstädt

Von 1947 bis 1957 wirkten Schönstätter Marienschwestern in Dingelstädt. Zuerst hatten sie dort die wirtschaftliche Leitung eines Schülerheims, später arbeiteten einzelne Schwestern in der Seelsorge und im Pfarrbüro. Resi Henkel aus Dingelstädt war Postulantin der Gemeinschaft, als sie am 2. Juli 1949, noch bevor sie das Schwesternkleid erhielt, nach kurzer schwerer Krankheit verstarb. Zwei Mitschwestern, Sr. Rosemarie Waldmann (1927-2024) und Sr. M. Anneregis Mai (1927-2024), stammten direkt aus Silberhausen und wuchsen in diesem Dorf auf.

Ein kleines Jubiläumsprogramm für die Menschen in Dingelstädt

Nach dem Festgottesdienst vor der Kapelle mit anschließender Segnung des Kreuzwegs und einem Gebet beim Gedenkstein für die Heimatvertriebenen hinter der Kapelle gibt es Zeit für Kaffee und Kuchen, Gespräche in gemütlicher Runde und für den Beitrag der Marienschwestern. Durch ein kleines Quiz, ein kurzes Interview mit den zwei Dingelstädter Marienschwestern und ein eigens vorbereitetes Lied erfahren die Feiernden etwas über das Leben und Wirken der Schönstätter Marienschwestern.

Herzliche Begegnungen und Gespräche

Entgegen aller Wetterprognosen bleibt es den ganzen Nachmittag über trocken, teils sogar sonnig. So ergeben sich viele kurze Begegnungen und Gespräche mit Einzelnen. „Normalerweise sind wir Silberhäuser eher Stoffel, wir öffnen uns nicht so schnell. Aber was wir heute gehört haben, war sehr interessant, und alle waren aufmerksam dabei und haben mitgemacht“, meint einer der Männer, die sich um das Gelände kümmern. „Ich komme oft zu dieser Kapelle. Schön, dass ich nun um die Verbindung des Marienbildes mit den Schönstattschwestern weiß“, so eine weitere Äußerung. Mehrere Frauen erinnern sich an Sr. Rosemarie und Sr. M. Anneregis und erzählen von ihren Erlebnissen mit ihnen. Immer wieder hören die Schwestern in den Gesprächen: „Schön, dass Sie gekommen sind.“„Danke, dass Sie unser Fest bereichert haben.“

„Der erste Rosenkranz, den ich besitze.“

Silberhausen-Begegnungen

Gerne greifen Kinder und Erwachsene in die mit Süßigkeiten gefüllten Körbchen. Sr. Marita bietet auch einige Rosenkränze an, die eine ältere, ebenfalls aus Dingelstädt stammende, Mitschwester selbst geknüpft und zum Verschenken mitgegeben hat. Eine Frau nimmt freudig einen entgegen: „Der erste Rosenkranz, den ich besitze.“ Wer möchte, kann Gebetsanliegen aufschreiben und in einer Anliegen-Box den Schwestern mitgeben, damit die älteren Schwestern in Friedrichroda bei ihren täglichen Anbetungsstunden konkret für sie beten. Die Box füllt sich mit vielen Zetteln: „Für unsere Kinder und Enkel.“ – „Um Versöhnung in unserer Familie.“ – „J. braucht Gebet für die Prüfungen. Er will Arzt werden.“ – „Dass mein Mann und unsere Kinder Gottes Nähe erfahren.“ – „Für meine Frau E., die nach einer Krebs-OP im Krankenhaus liegt“ u.a.m.

Maiandacht am MTA-Bildstock „im Rieth“, Dingelstädt

Ein paar Kilometer entfernt findet am Spätnachmittag am Bildstock „im Rieth“ in Dingelstädt eine Maiandacht statt. 18 Personen haben sich zusammen mit den drei Schwestern aus Friedrichroda eingefunden. „Wir haben so gehofft, dass die Schwestern noch zu uns ins Rieth zur Maiandacht kommen“, äußert hinterher jemand. Barbara Sieling, Gemeindereferentin der Pfarrei St. Gertrud, gestaltet die Maiandacht ansprechend. Die meisten verweilen hinterher noch einige Zeit im Grünen, stehen in Grüppchen zusammen und tauschen sich aus.

Im Rieth – Bildstöckchen

EINE ist geblieben …

Spontan stimmt jemand das Schönstattlied „Breit um uns deinen Mantel“ an. „Mein Lieblingslied“, meint eine Teilnehmerin. Die Schwestern entzünden ein mitgebrachtes Jubiläumslicht und lassen es in einer der Lichtampeln zurück.

Auch wenn Dingelstädt schon lange nicht mehr Standort der Marienschwestern ist, ist doch EINE geblieben: die Gottesmutter im Zeichen des Gnadenbildes der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt. 1947 kam das Bild in die Marienkapelle in Silberhausen; 1948 wurde der Bildstock im Rieth errichtet.

Kraftort Maria 

Pfarrer Genau hatte in seiner Predigt über die Bedeutung von „Kraftorten“ gesprochen und dabei ausgeführt, dass es in einer Zeit großer Unsicherheit solche Räume braucht, die uns helfen, immer wieder neuen Anlauf zu nehmen. Seine Überzeugung:

„Wo Maria verehrt wird,

da ist immer ein besonderer Kraftort.“

Wer heute dabei war, konnte sich von dieser Realität überzeugen …

Das Resümee der beteiligten Marienschwestern: „Um die Menschen vor Ort zu beschenken, sind wir am späten Vormittag aufgebrochen, und nun kehren wir einige Stunden später selber reich beschenkt zurück.“

Die nächsten Termine von „100 Orte für 100 Jahre“:

14. Juni 2026: Gottesdienst und Begegnung in Ediger (Bistum Trier)
Ende Juni 2026: Sedelsberg (Bistum Münster)
9. Juli 2026: Neuler (Bistum Rottenburg-Stuttgart)
12. Juli 2026: Bliesheim (Erzbistum Köln)
Kontaktadresse: hundert.orte@s-ms.org