Wir feiern 100-jähriges Jubiläum
unserer Gemeinschaft in Budapest
„So etwas Familienhaftes habe ich in der Kirche noch nicht erlebt“, sagt Monika, Mutter von jungen erwachsenen Söhnen, gegen Ende des Festtages. Es ist das zweite Mal, dass sie bei einer Veranstaltung der ungarischen Schönstattbewegung dabei ist und ist sichtlich berührt. „Wir gehen sonntags oft in die Kirche, mal in diese Gemeinde, mal in jene. Aber wir haben da keine Bindung. So etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt und ich spüre die Sehnsucht, auch dazu zu gehören.“
Dieser Satz schwingt nach im Rückblick auf das Jubiläumsfest der Schönstätter Marienschwestern in Budapest am 9. Mai 2026. Vielleicht bringt er auf den Punkt, was diesen Tag getragen hat: nicht nur ein feierlicher Rückblick auf 100 Jahre Gemeinschaft, sondern ein spürbares Erleben von Heimat im Glauben. Der Gnadenstrom, der schon bei der Jubiläumsfeier in Schönstatt Anfang Mai zu spüren war, kam auch hier zum Tragen.
Im Schönstattzentrum Budapest wurde mit rund hundert Gästen das 100-jährige Bestehen der Gemeinschaft gefeiert. Es war ein Fest, das von vielen Begegnungen, Dankbarkeit und einer tiefen geistlichen Verbundenheit geprägt war. Aus verschiedenen Teilen des Landes waren die Gäste – überwiegend aus der Schönstattfamilie – angereist.
In seiner Predigt hat Weihbischof Dr. Levente Balázs Martos das Charisma der Gemeinschaft mit den Worten zusammengefasst:
„Seid Maria in der Gemeinschaft!“
Er hat daran erinnert, dass Berufung nicht zuerst in großen Strukturen sichtbar wird, sondern in einer Haltung: marianisch präsent zu sein – im konkreten Leben, im Dienst am Menschen, in einer stillen, aber wirksamen Gegenwart.
Besonders eindrücklich war sein Hinweis, dass die Schönstätter Marienschwestern zwar erst seit zwei Jahren dauerhaft in Budapest leben, aber schon seit Jahrzehnten mit der ungarischen Schönstattfamilie verbunden sind. Diese Kontinuität wurde an diesem Tag auf eine sehr lebendige Weise spürbar: als gewachsene Freundschaft, als gemeinsamer Weg, als geteilte Sendung.
Der Weihbischof zitierte auch einen geistlichen Text der Gemeinschaft:
„Die mütterliche Liebe Marias weiterschenken, ihren selbstlosen Dienst am Leben,
am konkreten Menschen weiterführen (…) – das ist Gottes Sehnsucht. Dazu ruft er uns.“
Diese Worte wurden in der Feier neu zu einem Auftrag, der nicht abstrakt bleibt, sondern sich im Alltag konkretisieren will.
In seiner Predigt sprach er auch davon, dass es heute Menschen braucht, die „klug, sanft, heiter, dienstbereit und entschlossen“ sind – Menschen, die durch ihr Leben auf Christus hinweisen. Dass er dabei die Schönstattbewegung als ein „Versuchsfeld“ für diese Haltung bezeichnete, hat viele tief berührt und zugleich neu herausgefordert.
Nach der Eucharistiefeier wurde die Dankbarkeit sehr persönlich. Viele Gäste dankten den Schwestern, und drückten ihre Wertschätzung aus – oft in Worten, auch in Geschenken und in einem unglaublichen Einsatz der freiwilligen Helfer für dieses Fest. Immer war eine besondere Herzlichkeit spürbar.
Ein besonderes Geschenk war ein Rosenstock, der im Mariengarten in Óbudavár eingepflanzt werden wird und die Marienschwestern und das 100 jährige Jubiläum symbolisiert. Auf einer silbernen kleinen Tafel ist die Erklärung dazu festgehalten.
In der Präsentation nach der Bischofsmesse gab es einen Einblick in das Leben der kleinen Budapester Gemeinschaft und deren Aufgabenfelder. In Budapest leben derzeit drei Marienschwestern: Sr. Gertrud-Maria, die seit vielen Jahren Familien in der Schönstattbewegung begleitet; Sr. M. Julie, die mit Jugendlichen, besonders mit Mädchen und jungen Frauen arbeitet; und Sr. Margit-Mária, die als Assistenzärztin im Péterfy Sándor Utcai Kórház tätig ist.
Unterstützung gab es am Festtag von Sr. M. Siglinde, sowie von vier Schwestern, die aus Temesvár angereist waren. Das gemeinsame Singen des Jubiläumsliedes war einer der emotionalsten Momente: mehrstimmig, getragen von professionell gespielten Instrumenten und einer sichtbaren Freude, die viele der Anwesenden tief berührt hat.
Einen besonderen Akzent setzte anschließend ein Streicherensemble aus Mitgliedern der Schönstattbewegung, das dem Fest eine festliche und zugleich sehr feierliche musikalische Tiefe verlieh.
Nach dem offiziellen Teil verlagerte sich das Fest in den Garten des Schönstattzentrums Budapest. Beim Mittagessen und später beim Kaffee entstand eine Atmosphäre, die schwer in Worte zu fassen ist: offen, herzlich, unkompliziert. Kinder spielten, Gespräche vertieften sich, und immer wieder erklang das Akkordeonspiel von Sr. M. Siglinde.
Gemeinschaftstänze auf der Wiese luden Jung und Alt zum Mitmachen ein – ein Bild, das sich vielen eingeprägt hat: Kirche nicht nur als Versammlung, sondern als gelebte Beziehung.
Zwischendurch konnten Andenken im kleinen Jubiläums-Shop gekauft werden, beziehungsweise auf spielerische Weise die Gemeinschaft noch besser kennengelernt werden: Der Jubiläumsparcours war auszugsweise auf Ungarisch übersetzt und wurde an diesem Fest präsentiert. Ebenso gaben kleine Videos einen Einblick in die verschiedenen Aufgabenfelder der Gemeinschaft.
Den Abschluss bildete eine eucharistische Andacht, in der alles noch einmal vor Gott getragen wurde: Dank für 100 Jahre, für die Wege der Gemeinschaft, für die Menschen, die begleiten, und für die Zukunft. Danach blieb noch Zeit für Erinnerungsfotos mit den Schwestern – und für Gespräche, die den Tag ausklingen ließen.
Im Rückblick auf diesen 9. Mai bleibt vor allem dieser Eindruck: dass das Charisma der Schönstätter Marienschwestern nicht nur erinnert, sondern erfahren wurde – in Begegnungen, in Musik, in Gebet und im gemeinsamen Feiern. Und vielleicht hat Monika es mit ihrem Satz am ehrlichsten ausgesprochen: dass hier etwas aufscheint, wonach viele Menschen sich sehnen – eine Kirche, die Familie wird. „












