14.04.2026

Wallfahrt nach Luján

Sr. Clara María Bercetche
Argentinien

Am Samstag, den 11. April, wollten die Marienschwestern der Nazareth Provinz  der  Mutter und Königin in ihrem Nationalheiligtum ehren – im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums ihrer Gründung.

Vom Heiligtum zu Heiligtum

Sehr früh machten wir uns auf den Weg nach Luján. Wir wollten Heiligtum mit Heiligtum verbinden, indem wir von Nuevo Schoenstatt und von unseren Zentren in Buenos Aires aus aufbrachen und – etwa siebzig Schwestern – auf der Straße zusammenkamen, die zur Basilika führt. Auf diese Weise griffen wir den Auftrag unseres Vaters und Gründers auf: Er sagte gerade in Luján, bei seinem ersten Besuch im Nationalheiligtum am Montag, dem 9. Juni 1947:
„Unsere Heiligtümer müssen den nationalen Heiligtümern der verschiedenen Länder Leben schenken.“

Pilgerinnen zu unserem großen gemeinsamen Haus

Was wäre besser, als das Nationalheiligtum, die Patronin unserer Wege, zu erreichen, indem wir Schritt für Schritt über jene heilige Erde gehen, die Maria selbst auf ihren nächtlichen Wegen durchschritten hat?

Der Morgentau begleitete uns noch, und das frisch geschnittene Gras haftete an unseren Schuhen, zusammen mit Staub und feuchter Erde.

Wie hätten wir da nicht an das kleine Marienbild denken sollen, das der kleine Manuel am Morgen mit feuchtem Kleid und mit Kletten des Feldes im Stoff fand?

Ein Bündnis, das einen ganz besonderen Austausch einschließt

So oft haben wir vom Herzensaustausch mit unserer Mater ter Admirabilis im Heiligtum gehört. Im Gebet der kleinen Weihe schenken wir Maria alles, was uns gehört, und sie schenkt uns ihrerseits alles, was ihr gehört.

In der Vorbereitung auf diese Pilgerfahrt, in diesem uns so lieben Gebet,  klangen die Worte  jenes denkwürdigen Satzes des kleinen Manuel durch: „Ich gehöre der Gottesmutter, ganz einfach,“ durch den er sich ihr als „ihr Werkzeug und ihr Eigentum“ hingab.

Und da der 11. April am Vorabend des Jahrestages der ersten Weihe unseres Vaters und Gründers liegt, traten wir bewusst in jene Bündnisstunde ein, in der Catalina Kentenich ihren Sohn der Himmelsmutter anvertraute und das Kind dieses Bündnis bewusst annahm.

In diesem Jahr, in dem wir das hundertjährige Jubiläum unserer Gründung als Schönstätter Marienschwestern feiern, konnten wir eine sehr sprechende Geste vollziehen, die durch kleine offene Türen möglich wurde: Wir konnten ihr nicht nur erneut alles schenken, was wir sind und haben, sondern ihr auch ganz bewusst ein neues Kleid für ihr Pilgerbild im Heiligtum von Luján überreichen.

Es war eine feine Fügung der Vorsehung, dass wir ihr dieses neue und schöne Kleid schenken konnten, das von den Karmelitinnen gefertigt wurde, die neben dem Heiligtum leben. Es trägt ein gesticktes Symbol, das uns kennzeichnet: das Heiligtum mit dem Symbol des Vaters; im Inneren das Kürzel MTA, in das das Kreuz integriert ist, so wie es im Monogramm zum Ausdruck kommt, das wir auf unserem Schleier tragen, sowie Lilien, die das Heiligtum umgeben.

Maria ihrerseits bestätigte uns in unserer Sendung, sie in unsere Welt präsent zu machen. Wir bieten ihr weiterhin unsere Füße an, damit sie in uns die Wege von heute gehen kann; unsere Hände, damit sie weiterhin die Wunden der Seele heilen kann; unser Herz, damit sie weiterhin Barmherzigkeit schenkt in einer Welt, die oft schutzlos ist.

Aber wir möchten auch von unseren Aufgaben zurückkehren und in unserem gesegneten Kleid die Kletten, den Tau und den Staub des zurückgelegten Weges mitbringen, so wie es im heiligen Mantel unserer lieben Gottesmutter geschah.

So ist der Austausch „Kleid gegen Kleid“ ein schöner Ausdruck des Liebesbündnisses, das uns untrennbar mit ihr verbindet und uns ermöglicht, jenes Licht der Hoffnung zu sein, nach dem der Mensch von heute verlangt.

Eine feierliche Eucharistiefeier im Einklang mit dem historischen Ereignis

Wir hatten das große Geschenk, an der heiligen Messe um 11:00 Uhr teilzunehmen, die von Bischof Jorge Esteban González, Weihbischof der Erzdiözese La Plata und Mitglied des Schönstatt-Priesterbunds, zelebriert wurde.

Zu unserer Überraschung lud er uns ein, gemeinsam mit ihm die Einzugsprozession anzuführen. So zog eine scheinbar endlose Reihe von Schwestern durch die ganze Basilika – zum Erstaunen und zur großen Freude der Gläubigen, die an der Feier teilnahmen.

In seiner Predigt sagte Monsignore González unter anderem:

„Nur wenige Jahre nach der Entstehung der Schönstattbewegung in Deutschland (…) suchte Pater Josef Kentenich Mitarbeiterinnen, die sich ganz einsetzten. Sein Wunsch war es, ‚eine eigenständige und unabhängige Frauenbewegung‘ zu schaffen, in der die Frauen ‚die Zügel in die Hand nehmen‘. So stellten sich am 1. Oktober 1926 achtzehn junge Frauen für diese Aufgabe zur Verfügung. Trotz der Unsicherheiten der Nachkriegszeit gaben sie ihre Berufe auf. Sie begannen in größter Armut, aber mit dem nötigen Enthusiasmus und Idealismus, um der Keim einer neuartigen Gemeinschaft zu sein. In ihrer Berufung für Schönstatt als Laienbewegung wollten sie ein Gott geweihtes Leben führen, ähnlich dem der Ordensgemeinschaften, jedoch mit dem Lebensrhythmus und der Spiritualität von Laien. Etwas Neues für die Kirche vor dem Konzil; es gab in ihrer Struktur noch keinen Raum für diese Art von Gemeinschaft, und es bestand keine Sicherheit, dass dieses Wagnis gelingen würde. Dennoch waren sie bereits fünf Jahre nach ihrer Gründung, im Jahr 1931, an etwa vierzig Orten in Deutschland vertreten. Papst Pius XII. hat 1947 die Lebensform der ‚Säkularinstitute‘ anerkannt, und so wurden sie zum ersten deutschen Säkularinstitut. Wie wir sehen, hört Gott nie auf, uns zu überraschen … wenn ein Werk aus seiner Vorsehung kommt, spielen die Kleinheit seiner Werkzeuge noch die Prüfungen oder Schwierigkeiten, die sie durchlaufen müssen, keine Rolle.“

Während der Gabenbereitung übergaben Sr. Lourdes María López Manzur (26), begleitet von Sr. Miriam Schegg (93), die Liste mit den Namen aller Schwestern der Nazareth Provinz. Der Bischof nahm sie entgegen und legte das Blatt unter den neuen Mantel – als Zeichen der Hingabe –, der bereits vorbereitet war, um die „reine Immakulata“zu kleiden.

So ließ die Vorsehung zu, dass wir mit dieser Geste das Leitwort besiegeln konnten, das uns auf der Pilgerfahrt getragen hat:
„Maria, Licht der Hoffnung, unter deinem Mantel erneuere unser Ja.“

Am Ende der heiligen Messe kam der lang erwartete Moment, das Kleid zu wechseln, das die Gottesmutter im vergangenen Jahr getragen hatte – gezeichnet und abgenutzt durch die vielen Pilger und die Spuren unzähliger Hände, die im Laufe des Jahres den Stoff berührt hatten, dankend, bittend …

Der Bischof, unterstützt von Sr. Cecilia María Flecha Cosp, Provinzoberin der Marienschwestern, und dem Rektor des Heiligtums von Luján, Pater Lucas García, vollzog den Kleidwechsel. Mit einem schönen Gebet, das alle Schwestern gemeinsam beteten, schlossen wir diesen unvergesslichen Moment ab.

Dieser 11. April, am Vorabend des Jahrestages der Kinderweihe unseres Vaters und Gründers an die seligste Jungfrau, in der Osteroktav, wird in unserer Seele weiterklingen. Maria selbst wollte mit ihrem Mantel von Luján und ihrem jungfräulichen Kleid unsere Berufung erneuern und uns neuen Mut schenken, weiterhin das argentinische Land in seiner ganzen Weite zu durchqueren, um als Pilgerinnen „im Aufbruch“ unterwegs zu sein und ihren Sohn zu den Menschen zu bringen, die uns anvertraut sind.

So klingt weiterhin auf unseren Lippen das Gebet unseres Vaters und Gründers, das uns allen so lieb ist:
„Lass uns gleichen deinem Bild, ganz wie du durchs Leben schreiten, stark und würdig, schlicht und mild, Liebe, Fried‘, und Freud‘ verbreiten. In uns geh‘ durch unsere Zeit, mach‘ für Christus sie bereit.“