15.07.2018

IHR SEID MEIN BRIEF – 04

von Schw. Gretelmaria Wolff

João Luiz Pozzobon

heroisch leben – heute

 

Biographische Notizen

*  12. Dezember 1904 in Ribeirão, Rio Grande do Sul, Brasilien,

†  27. Juni 1985 in Santa Maria, Rio Grande do Sul.

1927 heiratete er Tereza Turcato und hatte mit ihr zwei Kinder. Nach ihrem frühen Tod heiratete er
1932 erneut. Mit Vitoria Filipetto hatte er weitere fünf Kinder.

Er war Ehemann und Vater, Landwirt, Kaufmann.

Am 30. Dezember 1972 wurde Don Pozzobon zum Diakon geweiht.

Sein Seligsprechungsprozess wurde am
12. Dezember1994 in Santa Maria eröffnet, und dort fand am
22. Juli 2008 der diözesane Prozess seinen Abschluss.

Spiritueller Weg

Schon immer religiös und sozial aufgeschlossen und apostolisch aktiv, wurde João Pozzobon von seinem Pfarrer, dem Pallottiner Pater Celestino Trevisan, ab 1945 eingeladen zu Exerzitien und Einkehrtagen in Santa Maria. Don Pozzobon selber bezeugt sehr eindeutig: „Ich kannte Schönstatt nicht, wusste nicht einmal, dass es diese Bewegung gab, als jene Vorträge und Exerzitienkurse begannen … Ein vitaler Punkt für mich war es, die Sendung des Gründers wirklich zu verstehen. Ich verstand sie nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen.“

Er ließ sich vom Lebenszeugnis der Ersten in Schönstatt faszinieren: „Die mich auch beeindruckt haben, waren die Anhänger, Josef Engling und seine Gefährten: ihr Heroismus, ihre ganze Liebe zur Mutter und Königin bis zur Hingabe des eigenen Lebens. … Das blieb in mein Herz eingeschrieben seit jener Predigt über die Gründergeneration. … Da habe ich versucht, ihren Weg einzuschlagen.“

Seine urpersönliche Berufung fand er 1950, als er gebeten wurde, die Wanderung eines Schönstätter Marienbildes zu begleiten. So sehr beeindruckte ihn das offensichtliche Wirken der Gottesmutter bei den Familien, dass João Pozzobon sich entschied, dieses Projekt weiterzuführen. Dazu erbat er sich und erhielt den ausdrücklichen Segen des Gründers Schönstatts.

1952 war ihm nach klugem Abwägen seiner Verhältnisse und seiner Verpflichtungen als Familienvater klar, „dass dies eine Sendung war, die man mir anvertraut hatte“, und er stellte sich im Heiligtum der Gottesmutter in einer Weihe ganz zur Verfügung: „Ich stellte mich nur als kleines Werkzeug … zur Verfügung. Sie sollte mich führen, wohin sie es wünschte. Ich würde dorthin gehen, wo sie mich hinschickt.“

Sie schickte ihn. Über 140.000 km ging er in fünfunddreißig Jahren für sie und mit ihr: zu Familien, in Krankenhäuser, Schulen, Gefängnisse. Seine Weihe zum Diakon verstand er als Möglichkeit, die Menschen auch sakramental mit Christus und seiner Mutter in Berührung zu bringen.

Aus seiner Initiative entstand die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, die sich jedoch erst nach seinem Tod explosionsartig international ausweitete. Heute sind über 200 000 Bilder der Pilgernden Gottesmutter von Schönstatt in 92 Ländern und allen Erdteilen unterwegs. Mehrere Millionen Menschen nehmen Monat für Monat die Gottesmutter in ihre Wohnungen auf und kommen so in Verbindung mit dem Gnadenort Schönstatt und dem Segen des Heiligtums. 

Beziehung zu P. J. Kentenich

1947/1948 zur Grundsteinlegung und Einweihung des Heiligtums in Santa Maria, Brasilien, begegnete João Luiz Pozzobon erstmals dem Gründer Schönstatts. Aufgrund dessen, was er über ihn und sein Werk aufgenommen hatte, war in ihm die Überzeugung gewachsen: „Ich halte ihn für ein heiliges, von Maria ge-sandtes Werkzeug, und alles, was er verlangt, ist für mich ein Wunsch Marias.“ Er hielt für sein ganzes Leben fest: „Ich hatte eine ganz persönliche Begegnung mit Pater Kentenich, ein Tag, der für immer in meinem Gedächtnis bleiben wird.“

João Pozzobon verstand sich als „kleiner Schüler“ des Gründers, von ihm wollte er lernen, wie die Jugend in der Gründungszeit. Bei allen Initiativen in der Entfaltung seines Apostolates fragte er nach der Intention und der Übereinstimmung mit dem Geist des Gründers; wenn er sich nicht sicher sein konnte, unterließ er es.

Entscheidend war und blieb für João Luiz Pozzobon der Segen des Gründers, den er 1951 zum ersten Mal erhielt, den er sich immer wieder erbat: „Der Rosenkranz mit den Familien geht weiter, man kann viele Früchte erkennen. Vater, ich bitte Sie, mir gütigst Ihren priesterlichen Segen zu erteilen, damit ich bis zu meinem Lebensende treu ausharren kann. Für meine Gefährten bitte ich um den gleichen Segen, damit wir gemeinsam die Wünsche Marias erfüllen können … Ich bitte erneut um Ihren Segen, um diese große Aufgabe besser begreifen zu können. Ein wahrer Sohn der Schönstattbewegung. Nos cum prole pia“ (1953).

Bei einer der ersten Begegnungen zwischen P. J. Kentenich und João Pozzobon war eine Schwester als Dolmetscherin zugegen. Don Pozzobon erzählte indirekt von sich: „Ich kenne eine Person, die ihre besten Kleider anzieht, wenn sie zum Rosenkranzgebet geht. Denn es mache ihm große Freude, ihn zu beten.“ P. J. Kentenich wandte sich an die Schwester und meinte: „Übersetzen Sie ihm das nicht — aber er wird einmal ein Heiliger werden.“ Und er fügte hinzu: „Mit dem Gebet des Rosenkranzes bekehrte ein Mann eine ganze Stadt.“

In dieser Überzeugung und in der gnadenhaften Verbundenheit mit P. J. Kentenich ließ Don Pozzobon sich auch nicht beirren durch die gravierenden Schwierigkeiten, die in den Exilsjahren des Gründers auch Schönstatt in Santa Maria und damit sein eigenes Wirken hindern wollten. Im Gegenteil, er schrieb ihm: „Ich versuche, wenigstens geistigerweise immer bei Ihnen zu sein, weil Ihre Last schwer ist. … Herr Pater, wenn es dem himmlischen Vater gefällt, biete ich mein Leben an für den Aufbau des Werkes der Dreimal Wunderbaren Mutter und Königin von Schönstatt. Ich werde Ihnen wie Simon von Cyrene helfen, die Last zu tragen, die Ihnen anvertraut worden ist.“

Jährlich informierte er P. J. Kentenich über seine Aktivitäten, über seine Erfolge und Niederlagen im Apostolat, aber auch über sein Ringen und seinen persönlichen Einsatz, sein inneres Wachstum mit Hilfe der Geistlichen Tagesordnung und seines geistlichen Tagebuches.

In der Sendung für die Gottesmutter wurden P. J. Kentenich und João Pozzobon Verbündete. P. J. Kentenich schätzte das Wirken von João Pozzobon und nahm regen Anteil an der Entwicklung der Kampagne. Immer wieder ließ er sich berichten von den Fortschritten und versuchte, Verständnis zu wecken für diese neue Möglichkeit der Pastoral.

Als 1968 nach dem Konzil in einem Kreis von Priestern wieder einmal die Sprache auf die Fruchtbarkeit der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter kam, meinte P. J. Kentenich zu seinen Mitbrüdern: „Merken Sie, wie beim Wirken des Herrn Pozzobon die Worte Vinzenz Pallottis sich erfüllen: ‚Sie ist der große Missionar, sie wird Wunder wirken‘?“, und schloss die Bemerkung an: „Unsere Priester – die junge Generation – suchen nach einer neuen und modernen Pastoral – hier ist sie.“

Quelle: Margareta Wolff, Ihre Herzen haben Feuer gefangen, Schönstatt 2008, ISBN 978-3-00-026075-9

IHR SEID MEIN BRIEF – Impulse zum Kentenich-Jahr