23.11.2021

Schw. M. Aloysiana

Schw. M. Anrika Dold

Schwester M. Aloysiana Klaiber

(4.5.1917 – 3.1.2003)

 

Vom Allgäu nach Schönstatt

reiste am 24. August 1945, bald nach Kriegsende, auf abenteuerliche Weise nach Schönstatt, um in die Gemeinschaft der Schönstätter Marienschwestern einzutreten. Sie kam aus dem Allgäu. Von dort war sie mehrere Tage mit einem kleinen Köfferchen und einem Rucksack unterwegs – z. B. auf Lastwagen, die Käse oder Kohle transportierten – durch verschiedene Besatzungszonen. Sie schrieb später:

„Ich war am 24. August mit Skihose und Stiefeln im Postulat angekommen.“

Geboren wurde Schw. M. Aloysiana am 4. Mai 1917 in Wangen im Allgäu. Ihr Vater starb mit 33 Jahren an einer Lungenentzündung, als sie drei Jahre alt war. Zu dieser Zeit kam ihr Bruder zur Welt. Mit 15 Jahren verlor Schw. M. Aloysiana auch ihre Mutter, die an einem Gehirntumor starb. Danach kam sie zu einer ihr nahe stehenden Familie, während ihr Bruder zu Verwandten nach Friedrichshafen kam und sie so für die nächsten sieben Jahre örtlich getrennt waren.

Nach der mittleren Reife absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Apothekenhelferin und arbeitete in diesem Beruf bis zu ihrem Eintritt am 24. August 1945.

Geheime Schönstatt-Treffen

Im Todesjahr ihrer Mutter 1932 lernte Schw. M. Aloysiana Schönstatt kennen und war von da an aktiv in der Schönstatt-Mädchenjugend tätig. Die göttliche Vorsehung schenkte ihr damit gleichsam eine neue Familie. Nach 1933 wurde es sehr schwierig mit den Zusammenkünften der Jugendgemeinschaft. Im Nationalsozialismus waren solche Treffen nur noch heimlich möglich. In der Nähe von Wangen (Eglofstal) war das ehemalige Schloss Syrgenstein, dessen Besitzer und Bewohner zeitweilig die Zusammenkünfte erlaubten. Natürlich mussten auch diese geheim gehalten werden. Aber alles ging gut.

1934 kam Schw. M. Aloysiana zum ersten Mal nach Schönstatt zu einer Jugendtagung und 1935 hat sie dort ihr Liebesbündnis geschlossen. Bei dieser Tagung ist sie zum ersten Mal dem Gründer Schönstatts, Pater Josef Kentenich, begegnet. Im August 1939, bei einer weiteren Tagung, hat sie im Bundesheim in Schönstatt zum ersten Mal einen Vortrag von Pater Kentenich gehört.

In diesem Jahr kam ihr Bruder nach dem Abschluss seiner Lehre nach Wangen zurück. Von da an wohnten sie für kurze Zeit in einer gemeinsamen Wohnung, bis im Oktober 1940 seine Einberufung kam. Er war damals 20 Jahre alt.

Zum Zeitpunkt ihres Eintritts bei den Schönstätter Marienschwestern 1945 wusste Schw. M. Aloysiana nicht, wo sich ihr Bruder Anton aufhielt, der in französischer Kriegsgefangenschaft war. So hinterließ sie ihm zu Hause einen Abschiedsbrief, den er dann Monate später, bei seiner Rückkehr im Mai 1946, vorfand. Sie schrieb ihm unter anderem:

„Mein lieber Bruder!
Wie sehr von Herzen gerne hätte ich Dich noch gesprochen und in unserem Stübchen bewirtet. Wer weiß, wo Du bist! Ich bin in Gedanken allzeit bei Dir und bete viel für Dich. Der liebe Gott wird Dich schützen und die liebe Gottesmutter Dich sicher leiten.
Sei bitte nicht traurig oder gar böse auf mich, dass ich ‚ausgerissen‘ bin. Es ging nicht mehr anders. Die Mutter hat es so gefügt und ich will folgen. Ich folge ja gerne und freue mich, meinem Lebensweg nun endlich die eigentliche Richtung zu geben. Nur, wie gesagt, die Sorge um Dich drückt mich. Aber ich lege sie täglich der Mutter ans Herz. (…)

Mein lieber, lieber Anton! Was soll ich Dir noch sagen? Bleibe dem Vorbild Deiner Eltern treu und vergiss nicht die Gottesmutter. Ich selber werde mit Schmerzen auf Dich oder wenigstens auf Nachricht warten … Es grüßt und umarmt Dich in immer gleicher Liebe
Deine Aloysia“

Eigentlich wollte Schw. M. Aloysiana schon 1943 während der Nazizeit eintreten, musste sich jedoch von ihrem geplanten Eintritt wieder abmelden, weil sie vom Beruf nicht freikam. Sie war sehr traurig darüber und schrieb der zuständigen Schwester: „… Ich muss immer denken, der liebe Gott wird mir diese Sehnsucht doch nicht gegeben haben, um mich immer zu quälen damit, sondern er hält sicher mal die Erfüllung bereit. Es soll mir jeder Tag mehr denn je Vorbereitung sein.“ (Brief vom 8.2.1943)

Glückliche Novizin

Drei Monate nach Kriegsende war der Weg dann frei. Am 3. November 1945 wurde Schw. M. Aloysiana mit ihren Kursschwestern eingekleidet. In einem Brief an ihre Tante Sofie vom 18.11.1945 erzählte sie unter anderem:

„Ja, liebe Tante, nun bin ich glückliche Novizin im Kleide der Marienschwestern von Schönstatt … Ich war nicht die einzige, die keinen Besuch hatte. Es war ja schade, ich hätte es Dir und allen anderen herzlich gegönnt, die schöne Feier erlebt zu haben. Die liebe Gottesmutter hat bewirkt, dass ich nicht traurig war deshalb; ich war so ganz im Frieden und in stiller Freude.“

Nachdem Schw. M. Aloysiana als junge Schwester zunächst als Sekretärin der Noviziatsleiterin arbeitete, kam sie schon bald in den Kreis der Schwestern, die für die Schönstattbewegung tätig sind. Dort hat sie unermüdlich und mit großem innerem Engagement vor allem für die berufstätigen Frauen (Frauenliga) gearbeitet. Sie entfaltete außerdem eine reiche schriftstellerische Tätigkeit für die gesamte Gliederung. Rückblickend erzählt eine Mitschwester:

„Mit Können, aber auch mit Enthusiasmus hat sie jahrzehntelang das Werkheft für die Frauenliga geschrieben und darin viel Gründer- und Schönstattgeist versprüht. Immer neu habe ich gestaunt, mit welcher Verantwortung und Freude sie sich darangemacht hat … Sie hatte ein ausgesprochen gutes Sprachgefühl und konnte manches mit wenigen Worten treffend ausdrücken oder auch verbessern … Dabei habe ich viel von ihr gelernt.

Auffallend waren bei Schw. M. Aloysiana Geschichtsbewusstsein und Geschichtsverantwortung. Mit Akribie erforschte sie die Schönstatt- und Provinzgeschichte. Noch mit 80 Jahren erwarb sie sich dafür auch Computerkenntnisse, um effektiver arbeiten zu können.

Von der Schönstattsendung ergriffen

Dass sie den Gründer Schönstatts kennen durfte und als seine Mitarbeiterin sein Werk mit aufbauen konnte, war für sie immer ein besonderes Geschenk. Durch Pater Kentenich hat sie, die nur in den ersten drei Lebensjahren einen Vater erlebt hat, zu einer lebendigen Verbindung mit dem ewigen Vatergott gefunden. Die tiefe Verbundenheit mit ihm war das Geheimnis ihres Lebens, ihre Kraft- und Segensquelle und wohl auch der Grund ihrer großen Schönstattergriffenheit.

Der Gründer selbst hat sie in ihrer echten, authentischen Art sehr geschätzt. Während seines Exils hat er einmal zu seiner Sekretärin gesagt:

„Wenn Sie jemanden sehen wollen, der von der Schönstattsendung ergriffen ist,
für sie lebt und stirbt, dann müssen Sie Schw. M. Aloysiana in Deutschland kennen lernen.“

Das durften gerade in den letzten Jahren viele Gruppen erleben, die sie durch das Bundesheim, das erste „Bewegungshaus“ der Schönstattbewegung, führte. Es war ihr eine echte Freude, Pater Kentenich und seinen Geist in diesem Haus zu vermitteln, und keine Mühe war ihr dafür zu viel. Nach so einer Führung meinte einer der teilnehmenden Männer einmal:
„Was mich am meisten beeindruckt hat, das war die Schwester. Die hat so von Pater Kentenich erzählt, dass man gedacht hat, wenn man die Türklinke packt, dann hat man seine Hand.“

Sie glühte dafür, Person und Sendung Pater Kentenichs den Menschen nahezubringen und gerade auch kirchlichen Kreisen zugänglich zu machen. Alles, was dabei mit Rom und der Weltkirche zusammenhing, elektrisierte Schw. M. Aloysiana förmlich.

Ein echtes Original

Was sie anderen vermittelte, lebte sie auch selbst, immer in dem Bewusstsein, noch auf dem Weg zu sein. Aufrichtig bekannte sie einmal einer Mitschwester: Als Novizin habe sie angesichts des originellen schönstättischen Erziehungssystems gemeint: Nun ja, ein paar Jährchen intensives zielstrebiges Streben, dann müsste sie eigentlich heilig sein. Und nun sei sie schon so alt und immer noch nicht heilig.

Schw. M. Aloysiana war sehr urwüchsig, ein echtes Original – damit konnte sie immer wieder Herzen gewinnen für das, wofür sie selbst gelebt hat: für ihre große Liebe zu Jesus Christus und seiner Frohen Botschaft.

Gegen Ende ihres Lebens litt sie viele Jahre an einer fortschreitenden, starken Schwerhörigkeit, die für sie als ausgesprochener Gemeinschaftsmensch ein großes Leid bedeutete.

Eine Herzerkrankung, die sich in den letzten Monaten ihres Lebens akut verschlechterte, führte schließlich Anfang des Jahres 2003 zum Herzversagen. So durfte sie kurz nach Weihnachten heimgehen wie ein gefriedetes Kind – vom Christuskind in die ewige Weihnacht heimgeholt.