03.02.2021

Aushilfe mit Sahne-Tüpfelchen

Schwester M. Irena Kober

Interview von Schwester M. Irena Kober mit Schwester M. Elinor Grimm

Sr. M. Irena: Sr. M. Elinor, seit Mitte November bist du im Allgäu. Wie kommt das, sonst bist du doch in Dachau und Kösching?

Sr. M. Elinor: Kurz vor meinem Namenstag bekam ich einen Anruf von meiner Vorgesetzten aus der Provinzleitung, ob ich bereit wäre, in unserem kleinen Altenheim in der Pflege auszuhelfen. Da habe ich natürlich Ja gesagt! Es ist doch selbstverständlich, dass wir einander helfen. Die Gedenkstätte war wegen Covid geschlossen. Digital kann ich auch vom Allgäu aus arbeiten, dachte ich. So habe ich „Hals über Kopf“ gepackt, auch den PC usw. mitgenommen, vorsichtshalber auch Weihnachtspost … die ich eigentlich rechtzeitig in diesem Pandemiejahr erledigen wollte … Aber es kam ganz anders …

Sr. M. Irena: Nun warst Du auch über Weihnachten da!

Sr. M. Elinor: Ja, nachdem eine Mitarbeiterin noch vor Weihnachten wieder ganz zurück nach Indien musste und der Gesundheitszustand der Leitungskraft sich erst langsam festigte, wollte ich sie nicht im Stich lassen. So konnten wir zusammenhelfen. Dann ist es für keinen zu viel. Weil der Hausgeistliche bei uns im Haus wohnt, sind die realen Gottesdienste ein ganz besonderes Geschenk!

Und das in Corona Zeiten, und noch dazu im Heiligtum, das hier mit der Eingangshalle als Hauskapelle genutzt wird. Es ist immer eine schöne Gebetsatmosphäre!

Sr. M. Irena: Gab es denn etwas Besonderes, oder auch Probleme z. B. wegen Covid …

Sr. M. Elinor: Das ist wieder ein Geschenk, dass wir bisher von Corona-Fällen verschont geblieben sind. Die Bewohner haben kaum Kontakte nach außen, aber es sind Arztbesuche nötig, verschiedene Krankenhausaufenthalte, Angestellte kommen ins Haus …

Eine besondere Freude ist der Schnee, der Anfang Dezember und direkt an Weihnachten kam. Das sieht wunderschön aus: Tannen mit Schnee, das Kapellchen mit einer „Sahnehaube und der Blick auf die schneebedeckten Berge, herrlich! Das ist ein zusätzliches Geschenk – ein Dank des Himmels für allen Einsatz!

Dankbar bin ich auch, dass ich mit der Arbeit zurechtkam, denn ich war lange Zeit nicht mehr direkt in meinem Beruf als Krankenschwester tätig. Wohl habe ich bis vor kurzem noch mitgeholfen in Kösching, vor allem bei von Demenz betroffenen Mitschwestern. Hier in Nesselwang kam ein akuter Pflegefall dazu. Wir wollten die betagte Mitschwester aber nicht ins Krankenhaus abschieben, zumal sie fast blind war und absehbar, dass sie sich bald auf den letzten Weg machen würde in die Ewigkeit. Auch der Hausarzt stimmte uns zu. Diese letzten Wochen waren durch den Nachtdienst dann noch anstrengend. Ältere Mitschwestern haben mitgeholfen, so haben wir es geschafft! Für die Mitschwester hat sich zum vierten Advent die Himmelstüre geöffnet. Sie durfte ganz ruhig heimgehen unter dem Sonntagsgeläut der Pfarrkirche und unserem besinnlichen Beten und Singen. Das war richtig schön!

Sr. M. Irena: Da spürt man die Nähe des Himmels, die Hilfe der Gottesmutter!

Sr. M. Elinor: Ja, das beeindruckte mich immer wieder, wenn ich Kranke, Sterbende begleiten durfte und genau im rechten Moment da sein konnte. Das kann man nicht machen – das ist pures Geschenk. Ich denke, das haben sich diese Menschen vermutlich auch erbeten.

Ein weiteres Geschenk sehe ich darin, dass ich das Haus hier ich nun besser kennen gelernt habe: Im Keller gibt es einen Jugendtrakt mit Selbstversorgerküche …

Ich träume von einem Dachau-Jugendprojekt. Jugendliche könnten beim Cicerone-Projekt mitmachen und eventuell hier wohnen. Ihr Einsatz bestände darin, an den Wochenenden bzw. in den Ferien in Dachau an den religiösen Erinnerungsorten mitzuhelfen … Nebenbei könnten sie Begegnungen erleben, auch an den Schönstattzentren im Umkreis und vielleicht auch mit Karl Leisner in Planegg, wo er gestorben ist – Träume für die Nach-Corona-Zeit …