09.01.2021

Eine ganz andere Krippe …

von Schwester M. Gisela Noky

Weihnachten 2020 in Kaliningrad

Wir Deutschen haben, so glaube ich, eine ganz besondere Beziehung zur Weihnachtszeit und zum Krippenbau. Früher dachte ich, in jeder Familie gibt es eine Krippe, doch das ist bei weitem nicht so. Nicht jedes Kind kann sich in die Wunderwelt der Weihnachtsgeschichte verlieben und vertiefen. Ich konnte es: ein herrlicher Tannenbaum, die ganze Kommode ein Weg zu Krippe, Hirten mit Lagerfeuer, ein leuchtender Krippenstall, und in diese Welt wurde Jesus geboren. Mitten in unserem Wohnzimmer kam er zu Welt.

Dort liegt der Anfang meiner großen Liebe zum Krippenbau,

um allen von der Liebe Gottes zu erzählen und davon, wie er unsere Welt verwandeln kann.
In Russland gibt es keine Tradition, Krippen zu bauen. Diese brachten die hier arbeitenden Priester und Schwestern aus ihren Heimatländern mit. Die Krippe in unserer Gemeinde wuchs und veränderte sich von Jahr zu Jahr. Sie erzählt die Geschichte der Erlösung der ganzen Welt.
Viele Helfer waren jedes Jahr am Bau beteiligt, und jedes kleine Detail berichtete von der großen Liebe Gottes.

Doch wie wird es in diesem Jahr?

Durch die Pandemie müssen wir Abstand halten, die Helfer dürfen nicht zum Zentrum kommen. Wie soll das gehen? Da kam uns eine Idee:
Vor Jahren brachten die Malteser Krippenfiguren für eine andere kleine Gemeinde im Kaliningrader Gebiet. Es sind herrliche holzgeschnitzte Figuren zum Ankleiden, leider fehlten die Hirten. Ich fragte immer wieder nach, wie sie die Krippe mit den Figuren bauen. Leider waren die Zuständigen unglücklich mit diesen Figuren: zu viel Arbeit und Umstand … Nach Jahren wagte ich es nun, einen Tausch vorzuschlagen. Nun sind die Figuren bei uns in der Gemeinde.

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Mit zwei Frauen wuschen und bügelten wir alle Kleider – schon im Juni – und
verschönerten Maria, Josef, die drei Könige und das Jesuskind.

Das alles fand in unserem großen Gemeindesaal statt, der in dieser Zeit wegen der Pandemie nicht genutzt wurde. Doch diese Figuren alleine erzählten noch nicht genug von dem großen Wunder der Heiligen Nacht. Lange überlegte ich, wie die Krippe noch lebendiger werden könnte.

Ein junges Paar erzählte mir von der Renovierung eines alten deutschen Hauses hier in der Nähe und davon, dass sie die alten Balken entfernen wollen. Ich erbat mir diese und wusste: das wird der Stall!

Ich besorgte mir Sperrholz, und mit Hilfe eines alten Tageslichtprojektors malten wir, meine zwei Helferinnen und ich, verschiedene Figuren auf. Mit einer elektrischen Laubsäge sägte ich dann alles aus. Und gleich ging es weiter. In den Räumlichkeiten der humanitären Hilfe gab es noch einige alte Wintermäntel, die keiner haben wollte, diese waren ideal für unsere Schafe, den Esel, die Kamele und den Elefanten!

So wurde alles immer lebendiger und begann, die Weihnachtsgeschichte anschaulich zu machen.

Ich bemalte die Figuren, kleidete sie an und eine junge Studentin gab ihnen ein Gesicht. Das war unsere neue Krippe, die Krippe in der Pandemie!

Wir hatten Heu für den Weihnachtsmarkt gekauft. Weil dieser ausfiel, stand mit diesen einfachen Heuballen ein guter Unterbau für die neue Krippe zur Verfügung. Ohne Helfer – in der Corona Zeit: Einfache Sperrholz-Figuren kamen zusammen mit reichgeschmückten geschnitzten Figuren zur Krippe. Alle kommen sie, um dem göttlichen Kind die Ehre zu erweisen! Sie sind das Bild für uns, reich oder arm, alt oder jung – vor IHM sind wir alle gleich und ER liebt uns, wie wir sind.

Diese Liebe möchten wir den Menschen auch ganz praktisch und konkret zeigen:

Denn bei uns gibt es trotz der Pandemie viel zu tun: Schwester M. Angele Dubau packte viele Lebensmittelpakete für die Bedürftigen: Für Obdachlose und Besucher unserer Suppenküche, die eine warme Mahlzeit bekommen, die sie aber zurzeit draußen verzehren müssen. Eine kleine Liebestat!

Verpassen wir nur nicht, IHN zu lieben!

ER begleitet uns auch an jedem Tag des neuen Jahres 2021!