05.12.2020

100 Jahre Frauenbewegung in Schönstatt, Einblicke – 06

von Sr. M. Anna-Simona Menz, Schönstatt

Für mich ist das der Traum-Job!

Ein Gespräch von Sr. M. Linda Wegerer
mit Sr. M. Anna-Simona Menz, Schönstatt

Sr. M. Linda: Sr. M. Anna-Simona, wir sitzen hier im Eingangsbereich des Tagungszentrums Marienland ganz gemütlich zusammen – und das an einem Samstagnachmittag. Im Normalfall für Dich eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Denn Du arbeitest hier an der Rezeption.

Sr. M. Anna-Simona: Ja, da hast Du allerdings recht. Aber mitten in der Corona-Pandemie ist eben vieles nicht mehr normal. So auch hier im Haus, das wir Anfang November zum zweiten Mal schließen mussten.

Sr. M. Linda: Wie geht es Dir persönlich in dieser Situation?

Sr. M. Anna-Simona: Grundsätzlich schon mal besser als im ersten Lockdown. Damals war es für mich einfach nur unfassbar. Ich dachte: Das kann doch nicht sein, dass wir Marienland einfach zu machen. Aber es war so! Manche Gruppen haben selber abgesagt, anderen musste ich absagen. Und Menschen absagen, die zu uns kommen wollen, ist für mich das Schlimmste! Ich will doch für die Menschen da sein.

Sr. M. Linda: Ja, das kann ich verstehen. Vor allem, weil ich Dich hier an der Rezeption als eine Mitschwester erlebe, die diese Aufgabe mit großem Engagement erfüllt.

Sr. M. Anna-Simona: Ja, meine Aufgabe macht mir richtig Freude. Für mich ist das wirklich der Traum-Job! Ich kann mir nichts Besseres vorstellen. Er ist so vielseitig und abwechslungsreich. Und stell Dir vor: Obwohl ich jetzt schon so lange an diesem Arbeitsplatz bin, passieren immer noch Sachen, die ich noch nie erlebt habe.

Sr. M. Linda: Das ist ein gutes Stichwort. Wie lange bist Du denn schon hier in Marienland, hier an der Rezeption?

Sr. M. Anna-Simona: Ich kam 1999 schon als Novizin in das Provinzhaus Marienland. Im August 2002 dann in das Tagungszentrum –  zuerst in den Service-Bereich. Und ab März 2007 an die Rezeption. – Also bin ich schon 13 Jahre in dieser Aufgabe.

Sr. M. Linda: Du hast gesagt, dass Deine Aufgabe sehr abwechslungsreich ist. Was gehört so alles dazu?

Sr. M. Anna-Simona: Die Hauptaufgabe ist der Präsenzdienst. Unsere Rezeption hat 12 Stunden am Tag geöffnet. Da bin ich für die an- und abreisenden Gäste da und für viele Fragen, die während des Aufenthaltes zu klären sind. Dann gehören zu meinem Aufgabengebiet verschiedene Verwaltungsaufgaben, wie Rechnungen erstellen und ähnliches.

Sr. M. Linda: 12 Stunden Präsenzdienst am Tag sind aber nicht allein zu schaffen!

Sr. M. Anna-Simona: Natürlich nicht! Ich habe noch Mitarbeiterinnen.

Sr. M. Linda: Du hast mir mal erzählt, dass Du schon vor Deinem Eintritt die Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht hast.

Sr. M. Anna-Simona: Ja, denn ich bin sozusagen in einem Landgasthaus groß geworden. – Für mich war es schon als Teenager klar, dass ich in diesem Fach meine Ausbildung machen will.

Sr. M. Linda: Und dennoch hast Du dann nicht das elterliche Gasthaus übernommen, sondern bist als Hotelfachfrau an der Rezeption in Marienland gelandet! Wie kam es dazu?

Sr. M. Anna-Simona: Schon als Kind durfte ich an Veranstaltungen der Schönstattmädchenjugend teilnehmen. Die haben mir echt gut gefallen. So ging es einige Jahre – und später habe ich auch selber Verantwortung übernommen. Schönstatt gehörte ab einem gewissen Zeitpunkt ganz selbstverständlich zu meinem Leben.

Als ich 1996 dann meine Ausbildung als Hotelfachfrau abgeschlossen hatte, spürte ich trotz aller Zufriedenheit darüber, das geschafft zu haben, eine gewisse Unruhe in mir: Und, war es das jetzt? Ist das alles, was du vom Leben willst? Und – was will eigentlich der liebe Gott von dir?

Sr. M. Linda: Kommt mir irgendwie bekannt vor!

 Sr. M. Anna-Simona: Ich spürte, dass ich vor der Entscheidung stand: Soll ich einen jungfräulichen Lebensweg gehen – und wenn Ja, dann werde ich Marienschwester – oder soll/will ich heiraten und eine Familie gründen.
Na ja, welche Entscheidung ich getroffen habe, sieht man jetzt ja.

Sr. M. Linda: Waren Deine Eltern sehr enttäuscht, dass Du Dich für diesen Weg entschieden hast?

Sr. M. Anna-Simona: Nein! Sie haben mir die Freiheit gelassen, meinen Weg zu gehen. Meine Mutter sagte: „Wenn das dein Weg ist, dann ist es recht.“

Sr. M. Linda: Sr. M. Anna-Simona, wir feiern in diesem außergewöhnlichen Jahr 2020 auch 100 Jahre Frauenbewegung in Schönstatt. Ich möchte auch Dich fragen, was Du Dir von diesem Jubiläum wünschst.

Sr. M. Anna-Simona: Ich wünsche allen Frauen, dass sie das Wertvolle am Frau-Sein und ihre ganz persönliche Kostbarkeit immer mehr erkennen und daraus froh ihr Leben gestalten. Und es ist mir eine große Freude, wenn ich erleben darf, dass der Aufenthalt in unserem Haus dazu etwas beitragen darf.

Sr. M. Linda: Vielen Dank für dieses Gespräch mit Dir. Aber jetzt müssen wir Schluss machen. Denn trotz Lockdown bist Du nicht arbeitslos. Ich sehe Dich an den verschiedensten Stellen hier im Haus „werkeln“.

Sr. M. Anna-Simona: Ja, Gott sei Dank, ist es so, dass wir nicht arbeitslos werden. – Aber ich kann Dir auch sagen: So viele Stunden wie in diesem Jahr habe ich noch nie beim Backen der Weihnachtsplätzchen geholfen!

Sr. M. Linda: Wenn das so ist, dann will ich Dich auf keinen Fall noch länger aufhalten. Denn auf diese Plätzchen freue ich mich schon sehr!