19.11.2020

Schönstätter Marienschwester ist „MINT-Lehrerin des Jahres“

von Sr. M. Verena Röhrig

„MINT-Lehrerin des Jahres“

In der Schönstätter Marienschule (SMS) in Vallendar, die noch im Glanz des 75-jährigen Jubiläums steht, herrscht große Freude; denn Schwester Christamaria Brück, selbst ehemalige Schülerin und heute Lehrerin für Katholische Religion, Mathematik und Informatik, erhielt am 10. November 2020 den Klaus-von-Klitzing-Preis. Damit werden Lehrerinnen und Lehrer ausgezeichnet, die sich in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in besonderer Weise engagieren. Dieses Engagement zu fördern, hat sich Klaus von Klitzing, der Nobelpreisträger für Physik im Jahre 1985, zum Ziel gesetzt.

Preisverleihung virtuell

Normalerweise überreicht Professor Klaus von Klitzing den Preis in Oldenburg, wo die dafür verantwortliche EWE-Stiftung und die dortige Carl von Ossietzky Universität als Kooperationspartner ihren Sitz haben. Angesichts der Corona-Pandemie fand die Preisverleihung diesmal virtuell statt, das heißt zeitgleich und live, aber an verschiedenen Orten: in Stuttgart, Oldenburg und Schönstatt.

Mit Schw. Christamaria fieberte in der weiträumigen Mensa der Schule eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Lehrpersonen der Preisverleihung entgegen. Unter ihnen waren Schw. M. Gabriele Schreck, die Schulleiterin, und als besonderer Ehrengast Schw. M. Aleja Slaughter, Generaloberin unserer Gemeinschaft der Schönstätter Marienschwestern. Per Livestream verfolgten viele mit Spannung das einstündige Programm.

Aus 48 „hochkarätigen“ Bewerbern und Bewerberinnen ausgewählt

Nach Grußworten von Marion Rövekamp, der Vorstandsvorsitzenden der EWE-Stiftung, dem Präsidenten der Universität Oldenburg, Professor Hans Michael Piper, und einem wissenschaftlichen Exkurs von Christoph Hahn über die Bedeutung des Grünkohls kam der ersehnte Moment: die Bekanntgabe von Schw. Christamaria als Preisträgerin. Marion Rövekamp betonte, dass Schw. Christamaria aus einem Kreis von 48 „hochkarätigen“ Bewerbern und Bewerberinnen einhellig von der Jury ausgewählt worden sei. Professor Klaus von Klitzing sprach sein Bedauern aus, den Preis nicht persönlich in Oldenburg überreichen zu können, sondern virtuell in Stuttgart, wo er Forschungsaufträge des Max-Planck-Instituts wahrnimmt.

Schw. M. Gabriele Schreck meinte in ihrer Rede, dass Schw. Christamaria den Preis stellvertretend für das ganze Kollegium, für so viele einsatzfreudige Lehrerinnen und Lehrer erhalte. Sie hob das „außergewöhnliche Engagement“ ihrer Mitschwester hervor sowie die „authentische Begeisterung“ und die Fähigkeit, das Beste in den Schülerinnen zu entfalten.

Wir brauchen Frauen wie Dich

Wörtlich sagte sie: „Heute gilt es, Antworten zu finden auf die vielen drängenden ethischen, medizinischen, ökologischen Fragen, um nur einige der brennenden Themenfelder exemplarisch zu nennen. Darum brauchen wir Frauen wie Dich, die sich mit Verstand, Wille und Herz einsetzen und viele junge Menschen befähigen, sich für tragfähige und verantwortliche Lösungen zu engagieren.“

Herzlich dankte die Schulleiterin Schw. Christamaria für ihren wertvollen Beitrag an der SMS, bei dem sie wie Pater Kentenich, dem Gründer Schönstatts und der Schule, immer gleichzeitig das Ohr am Herzen Gottes und die Hand am Pulsschlag der Zeit habe. Bei ihrem Dank an die Stifter des Preises verwies Schw. M. Gabriele auf die Aussicht, mit der Auszeichnung Forscherinnen der Zukunft entdecken und ausbilden zu können und damit der christlichen Verantwortung für die neue Gestaltung der Gesellschaft gerecht zu werden. Sie betonte: „Gerade die jungen Frauen werden gebraucht, um auch in den MINT-Wissenschaften die frauliche Perspektive einzubringen und dadurch eine abgerundete Sicht intensiver zum Zug kommen zu lassen. Hier sehen wir als Mädchenschule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt unseren ganz spezifischen Auftrag.“

Lehrerinnenportrait der Homepage KLAUS-VON-KLITZING-PREIS hier

Roboter-AG „ein Ort der Freude“

Dankbar und stolz hielt Karolin Gräwer aus der Jahrgangsstufe 11 eine Laudatio. Wie sie sagte, erlebte sie Schw. Christamaria bereits in der 5. Klasse in Religion und Informationstechnischer Grundbildung als „besondere Lehrerin“. Ab der 6. Klasse nahm sie an Roboter-Wochenenden teil, die Schw. Christamaria von der Roboter-AG (Arbeitsgemeinschaft) aus anbot. Sie bekam so viel Spaß am Roboterbau und Programmieren, dass sie zusammen mit anderen interessierten Schülerinnen jährlich erfolgreich an Wettbewerben der First lego league teilnahm. Wie die Schülerin bekannte, wurde die Roboter-AG „zu einem Ort der Freude“.

Schließlich verriet sie das Erfolgsrezept von Schw. Christamaria: „Jeden Freitag zeigt sie uns, wie viel Spaß und Freude man an Technik haben kann. Bei Problemen hilft sie gerne, gibt Denkanstöße, verrät aber nie die eigentliche Lösung. Sie lässt uns immer alles ausprobieren und, wenn mal etwas nicht funktioniert, macht sie uns Mut, dass sich schnell eine Lösung finden wird. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz überzeugt sie einfach jeden. Ihre positive Art überträgt sich auf uns Schülerinnen und deshalb möchten wir die AG an unserer Schule nicht mehr missen.“

Ferner machte Karolin Gräwer auf den Einsatz Schw. Christamarias bei der Digitalisierung aufmerksam. Mit einer kleinen Gruppe von Schülerinnen richtete die Schwester 2017 die schuleigene Kommunikationsplattform Cocuun ein, wovon alle Klassen, Lehrer und Eltern profitieren.

Wie Karolin Gräwer weiter ausführte, sei Schw. Christamaria nicht nur das technische Knowhow wichtig, indem sie die Schülerinnen im Technik-Team unterstütze oder den Neuaufbau der Schulhomepage leite, ebenso seien ihr die Erhaltung christlicher Werte und die Persönlichkeitsentwicklung durch das Angebot von Frühschichten und die Einladung zum Pilgerwochenende „Ich bin dann mal weg“ wichtig. Die Schülerin lobte auch Schw. Christamarias „Leidenschaft für Mathematik“, ihre Geduld beim Erklären und ihre Gelassenheit, mit der sie auch Schülerinnen motiviere, bei denen Mathe nicht das absolute Lieblingsfach sei. Ferner bekannte Karoline Gräwer: „Für uns hat Schw. Christamaria immer ein offenes Ohr und nimmt sich die nötige Zeit, um sich unserer Sorgen und Nöte anzunehmen. Dabei spürt man die tolle Verbindung, die sie zu uns Schülerinnen aufbaut. Wir können sehr viel von Schw. Christamaria lernen, nicht nur schulisch, sondern auch menschlich. Mit viel Freude am Leben und durch ihre offene, freundliche Art, die sie anderen Menschen gegenüber zeigt, ist sie zu einem Vorbild für uns geworden.“

Karoline Gräwer ist überzeugt, dass Schw. Christamaria den Klaus-von-Klitzing-Preis definitiv verdient hat, „da sie besonders mit ihrem Engagement im MINT- Bereich zeigt, wie gut auch Mädchen sich dort behaupten können. Denn dieser Bereich gilt immer noch als von Männern dominiert, weswegen hervorzuheben ist, dass sie die erste Schwester und die erste Frau nach sechs männlichen Preisträgern in Folge ist, die diese Auszeichnung erhält. Mit der Förderung von heranwachsenden Frauen ermöglicht sie uns den Einblick in einen Bereich, in den wir uns sonst vermutlich nicht gewagt hätten. Sie ermutigt uns alle, niemals aufzugeben und immer weiterzumachen, egal wie viele Steine uns dabei in den Weg gelegt werden.“

Größten Dank an die Schülerinnen und Kollegen

Zum Schluss bedankte sich Schw. Christamaria bei der EWE-Stiftung, Professor von Klitzing und der Jury für die Auszeichnung. Dann sagte sie Dank dem Startup-Informatikkurs aus dem Abi-Jahrgang 2018, der mit seiner Begeisterung und Bereitschaft, Zeit zu investieren, den Startschuss für die ersten Roboter an der SMS gegeben hat. Außerdem dankte sie den Freundeskreisen der Schule und dem Ehemaligenverein für die großzügige finanzielle Unterstützung sowie der Schulleitung für den „Raum zur Entfaltung“. Dankesworte richtete sie auch an externe Partner für die gute Zusammenarbeit und die Angebote: an Herrn Dr. Fislake von der Universität Koblenz und Herrn Schwaderlapp von Exec Software.

Schw. Christamaria wandte sich dankbar auch an alle Eltern, die ihr Expertenwissen in den AGs miteinbringen, besonders Frau Plies und Frau Pötzschke.

Den größten Dank zollte Schw. Christamaria aber ihren Schülerinnen und Kollegen; denn es bedeute ihr sehr viel, gemeinsam mit ihnen den Schulalltag so zu gestalten, dass Schülerinnen ihre Talente und ihre Persönlichkeit entfalten und ihre Chancen ergreifen können. Schw. Christamaria bekannte:

„Hier bei uns zählen Mitverantwortung, Freiheit, Kreativität, Einsatzbereitschaft, Freundschaft und Teamgeist. Für all euer Mittun sage ich von ganzem Herzen Dankeschön!

Darum bin ich der festen Überzeugung, dass der Klaus-von-Klitzing-Preis nicht nur mir, sondern uns allen gehört. Danke!“