06.11.2020

Sozialzentrum Pater-Josef-Kentenich in Ganfanha de Nazaré

von Schw. Cristina Maria Riço Mendes

„Menschen eines Landes, die vom Meer leben“ –

so wird die Bevölkerung von Gafanha da Nazaré/Portugal in der Gemeinde Ílhavo, 3 km westlich von Aveiro, charakterisiert. Es ist ein kleines Dorf inmitten von Bäumen, Vögeln und Fischen, umgeben von der Ria de Aveiro, dem schönen Strand mit der Festung im Südwesten und dem Dorf Vagos im Süden. Seit 1975 wirken hier Schönstätter Marienschwestern.

Familien im Kampf mit unfruchtbaren Dünen

In dieser sandigen Region sollen in den vergangenen Jahrhunderten Patienten zurückgelassen worden sein, die an Lepra (Gafa-Krankheit) erkrankt waren. Später kam es zu sogenannten „spontanen internen Kolonisierungen“ durch Menschen, die aus Furcht vor Malaria aus Aveiro und anderen Städten in diese Gegend flohen. Danach zogen die Bauarbeiten an Hafen, Leuchtturm, Werften und Salinen sowie das Anlegen der Waldplantage, weitere Menschen an. Auch heute sind die langen und schweren Arbeitszeiten in der Landwirtschaft einerseits und das oft lange Unterwegssein in tiefen Gewässern andererseits für viele Familien Zeichen eines verletzlichen Lebens. Auch sieht sich die Bevölkerung der sozialen Ausgrenzung und des kulturellen Stigmatas ausgesetzt, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zur Unterstützung der kinderreichen und von Not geprägten Familien entstand in einem ausgedehnten Land- und Waldgebiet, in der Nähe des Schönstatt-Heiligtums, das Pater-Josef-Kentenich-Sozialzentrum (CSPJK).

Erziehung für das Leben

Dabei handelt es sich um eine katholische Einrichtung, die von der philosophischen und pädagogischen Vision Pater Josef Kentenichs (1885-1968) inspiriert ist. Die wesentlichen und konstitutiven Elemente dieses pädagogischen Modells drehen sich um die Erziehung zur Freiheit im Sinne der persönlichen Entscheidungsfähigkeit für das Größte und Beste. Das Fundament dafür ist die Bildung eines starken Persönlichkeitskerns.

Kindergarten und -tagesstätte mit dem schönen Namen „Mariengarten“ haben die ausgesprochene Aufgabe, die Kinder für das Leben zu erziehen. Eine bloße Weitergabe des kulturellen Erbes genügt nicht, um auf die Herausforderungen der Zukunft antworten zu können. Trotz der heutigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten möchte das CSPJK zur ganzheitlichen und harmonischen Ausbildung jedes Kindes beitragen, und zwar unter physischem, geistigem (affektivem, sozialem, intellektuellem) und religiösem Aspekt. So will der „Mariengarten“ eine einladende Umgebung bieten, in der die Kinder neben einem qualitativ hochwertigen Lehr- und Lernprozess ihre frühe Kindheit mit Freude erleben, und wo ihre Liebe zu Gott, zur Gottesmutter Maria und zum Nächsten wachsen kann.

Die Einrichtung verfügt über eine wunderbare Außenanlage, in der die Kinder die Umwelt erkunden können. Sie werden ermutigt, die Natur zu achten und zu pflegen, Kreativität zu entwickeln und Körper und Geist zu aktivieren. So lernen sie, sich um unseren Planeten, das „gemeinsame Haus“, zu kümmern.

Eine Mutter sagt dazu: „Ich erlebe meine Kinder glücklicher, freier! Sie dieser Institution anzuvertrauen, war das Beste, was ihnen je passiert ist, damit sie geschützt und glücklich aufwachsen und das Beste aus der Natur machen können!“

Unterstützung der Familien

Durch die vertrauenvolle Zusammenarbeit mit den Familien wissen wir Marienschwestern um ihre Bedürfnisse und Nöte. Eines der besorgniserregendsten Probleme ist die Arbeitslosigkeit, die zusammen mit anderen Faktoren die Menschen sehr leicht in Zyklen der sozialen Ausgrenzung führt. Zusätzlich sind wir heute durch die Pandemie mit einer neuen Art von Armut konfrontiert: Menschen mit einem bisher ausgeglichenen und stabilen Lebensweg geraten in eine Spirale von Problemen, die sie ohne die Unterstützung anderer nicht bewältigen können.

Zum Beispiel hat eine Mutter mehrere gesundheitliche Beschwerden gleichzeitig und kann deswegen nicht regelmäßig zur Arbeit gehen. Auch der Vater hat keine feste Anstellung. So leben die Eltern mit ihren vier Kindern in einem sehr kleinen Haus und unter prekären Bedingungen. Die Notwendigkeit einer direkten Unterstützung dieser Familie ist offensichtlich.

Diese Familie, die nur eine von vielen ist, hat keine Möglichkeit, den monatlichen Beitrag für die Kindertagesstätte zu bezahlen. Dennoch dürfen die Kinder kommen, und sie erhalten außerdem täglich Frühstück, Mittagessen und eine Zwischenmahlzeit. Am Ende des Tages dürfen sie Suppe für jedes Familienmitglied mit nach Hause nehmen, um deren täglichen Lebensunterhalt, vor allem der jüngeren Kinder, zu sichern. Gespendete materielle Güter wie Nahrungsmittel, Kleidung und Schuhe werden an die Familien mit den größten Bedürfnissen verteilt.

 Ein Netzwerk von Wohltätern und Freiwilligen

Der CSPJK und wir Schönstätter Marienschwestern haben nicht die notwendige finanzielle Kapazität, um alle Familien zu unterstützen. Deshalb sind wir auf ein Netzwerk von Wohltätern und Freiwilligen sowie auf den guten Willen und die Kreativität des pädagogischen Teams angewiesen.

In Kindergarten und -tagesstätte werden insgesamt 85 Kinder betreut.
Die Kosten pro Kind betragen monatlich 400 Euro.

Täglich danken wir Gott für seinen Beistand und bitten um seinen Segen für alle Freunde und Wohltäter.

 


Kennwort: Sozialzentrum Gafanha

Missionszentrale der Schönstätter Marienschwestern
Berg Schönstatt 6
56179 Vallendar
Tel.: (0261) 64 04-311
E-Mail: missionszentrale@s-ms.org

Bankverbindung: LIGA Bank eG
IBAN: DE10 7509 0300 0000 058920
BIC: GENODEF1M05