10.09.2020

Beitrag Schönstatts zur Musik in Brasilien

von Schwester M. Sandra Regina Netto

Wir wissen, dass die Musik einen beruhigenden Einfluss auf unser Leben ausübt. Sie hilft uns, nachzudenken und zu beten und uns innerlich zu erheben.   Was jedoch nicht alle wissen ist, dass Schönstatt nennenswert zur Musik in Brasilien beigetragen hat.

Unter den 12 deutschen Missionsschwestern, die vom Gründer, Pater Josef Kentenich, im Jahre 1935 nach Brasilien ausgesandt wurden, war Schwester Mariaregis Kessler mit der von ihr unzertrennlichen Geige. Für sie bedeutete Maria sein, die originelle Sendung der Gottesmutter, die Gott ihr in Schönstatt anvertraut hatte, auszustrahlen und das Lied, das Maria im Magnificat angestimmt hat, weiterklingen zu lassen. In den Wochen der beschwerlichen Reise mit dem Schiff „Sankt Martin“, erklangen oft Melodien und Lieder auf Deck. Dort versammelte sich die Besatzung um das Bild der MTA, um die Lieder zu begleiten, oder einfach, um dem Chor der Marienschwestern, einiger Priestern und Seminaristen zuzuhören.

An Land gab der Takt der Musik dann den Rhythmus an, für den raschen Beginn und das Wachstum der Schönstatt-Familie in Brasilien, ging aber noch darüber hinaus. Am 13. November 1945 entstand die Musikschule im Kolleg „Mãe de Deus“, die im Laufe von 75 Jahren einen nennenswerten Beitrag leistete für die brasilianische Musik, und auch im Ausland. Darüber berichtet uns Schwester M. Sandra Regina Netto, die 25 Jahre hindurch die Musikschule als Koordinatorin leitete.

Was ist diese Musikschule?

Sie ist eine Referenz auf die Musik in Brasilien. In den Jahren, in denen ich als Koordinatorin in der Musikschule tätig war, konnte ich in das wunderbare Universum der Musik eintauchen. Unsere Musikschule, die auch lange Jahre Musikhochschule war (“Faculdade de música Mãe de Deus FMD), war die Basis für die Einrichtung des Musikkurses an der Staatlichen Universität in Londrina und trug wesentlich bei zur Durchführung des Internationalen Festivals (FIML) in Londrina. Viele unserer Schüler wurden Musiker oder ergänzten ihre Musikausbildung an unserer Musikhochschule in Kursen für Chor, Instrumente, Musikpädagogik, Ethnomusikologie (das Studium der Musik in ihrem kulturellen Kontext) und anderen.

Durch die Musik fanden viele den Weg zum Heiligtum, wo sie die Gegenwart der Gottesmutter erlebten.

Ein Beispiel möchte ich gerne anfügen: Der bedeutende Pianist und Professor Homero de Magalhães (Link)  fragte mich einmal: „Schwester sagen Sie mir doch bitte, was existiert hier an diesem Ort Besonderes? Hier erlebe ich etwas, was ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebte … und Sie wissen, ich reiste durch die Welt!“ Daraufhin lud ich ihn ein, das Heiligtum kennen zu lernen. Als er aus dem Heiligtum kam, hatte er Tränen in den Augen und sagte mir: „Schwester, welch ein nachlässiger Katholik bin ich! Wie sehr erinnerte ich mich an meine Mutter und an alles, was sie mich gelehrt hat!“

Mit Sicherheit war dies eine tiefe Gottes- und Marienbegegnung, die ihn auf die endgültige Begegnung mit Gott im folgenden Jahr vorbereitete.

Ein anderes Beispiel von einem der besten Mandolinisten Brasiliens (Link). Joel Nascimento. Er war so sehr beeindruckt von der Atmosphäre des Heiligtums, dass er eine Melodie mit dem Titel „Göttliche Gegenwart“ komponierte.

Schwester M. Wilfried brachte die Methode Suzuki nach Brasilien

Die Methode Suzuki (Link), die sehr viele Vorteile auf dem Gebiet der Musik brachte, kam durch Schwester M. Wilfried Gassenmayer nach Brasilien. Sie stand im Briefwechsel mit Waltraud Suzuki, der Ehefrau von Shinichi Suzuki, und reiste bis nach Japan, wo sie Unterricht bei Herrn Suzuki selbst hatte, und brachte seine Methode in unser Vaterland. Shinobu Saito, aktuelle Referenz in der Suzuki-Methode, wurde von Schwester M. Wilfried motiviert. Sie erzählt die Geschichte in diesem (Link)

Einige Zeugenaussagen von Schülern:

„Das Kolleg ‚Mãe de Deus‘ war das Symbol für Musik in Londrina, wo alles vom Besten und Wertvollstem geschah. (…)  Ich war sehr glücklich und denke, dass die Musik, die ich in mir trage, dort mit Euch entstanden ist.“ Luciana Gastaldi, Pianistin.

„Eine der Hauptachsen meiner ethischen, musikalischen, religiösen und bürgerlichen Ausbildung wurde durch die Erziehung im Kolleg und in der Musikhochschule „Mãe de Deus“ und durch die Schönstätter Marienschwestern grundgelegt. Über drei Jahrzehnte konnte ich alles, was ich gelernt hatte weitergeben, auf dem Gebiet der musikalischen Erziehung in Brasilien und im internationalen Kontext. Ich bin dankbar und glücklich, diese kostbaren Lehren von den Marienschwestern als Grundlage für mein Leben erhalten zu haben.“ Magali Kleber, Mitglied des Exekutiven Rates der International Society for Music Education

Es ist kaum zu glauben, dass schon 25 Jahre vergangen sind seit unserem Unterricht in der Musikschule „Mãe de Deus“. Es gibt viele, die sich an nichts erinnern aus ihrem 4. und 5. Lebensjahr. Aber ich habe viele und die besten Erinnerungen an diese Zeit. Sehr gut erinnere ich mich an das Interesse, das Sie in mir geweckt haben, den 4. Finger anstelle der losen Saite zu verwenden, und wie “speziell” der Klang war, wenn dieser 4. Finger an die richtige Stelle fiel. Ich erinnere mich an die unermessliche Geduld – sehr notwendig, um die Lausbübereien so junger Schüler eines Instruments zu ‚ertragen‘, das so viel Aufmerksamkeit und Engagement erfordert, um es spielen zu lernen.“ Matheus Garcia Souza, Violin Performance (Link)

Es war im Kolleg ‚Mãe de Deus‘ mit meiner lieben und ersten Lehrerin Schwester M. Sandra Regina, wo ich meine Liebe zur Musik entdeckte! Sie hat mir beigebracht, Geige und Gitarre zu spielen und wirklich das zu lieben, was heute mein Beruf ist. Die Musik, die mich seit 21 Jahren begleitet, mir in allen Momenten meines Lebens Freude bereitete und mir hilft, dies auch anderen weiterzugeben.“ Thais Souza, Violinistin im „Orquestra Jazz Sinfônica Brasil”.

Unsere Familie wurde durch die Musik geformt. Seit meiner Eheschließung mit Marcello, der Geburt unserer Kinder Mariana, Gabriela und João Gabriel hatten wir immer die Musik als Klang und vitalen Rhythmus in unserem Haus. Durch meine Tätigkeit als Klavierlehrerin im Kolleg ‚Mãe de Deus‘, war es möglich, meine Kinder frühzeitig in die Musiklehre einzuführen, jedes mit seinem Instrument, was zur Formung der Persönlichkeit und des Charakters beitrug. Zur gleichen Zeit, als sie im Kolleg studierten, arbeitete ich dort und diese gesamte musikalische Atmosphäre prägte unser Leben und motivierte unsere Familie, immer mehr die Schönheit, die Zartheit und den Charme, den die Musik bringt, zu suchen.“ Gislaine Mafra, Klavierlehrerin und Mitglied des Schönstatt-Institutes der Familien.