04.07.2020

Stellungnahme zu Missbrauchsvorwürfen gegen P. Josef Kentenich

von Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern

Stellungnahme zu Missbrauchsvorwürfen gegen P. Josef Kentenich

Das Generalpräsidium des internationalen Schönstattwerkes hat zu den Anschuldigungen gegen P. Josef Kentenich, die zunächst in einem Artikel von Alexandra von Teuffenbach in der Wochenzeitung „Die Tagespost“ vom 2. Juli 2020 und in darauf folgenden Pressemeldungen weltweit veröffentlicht wurden, bereits Stellung genommen.

(Vgl. Generalpräsidium des int. Schönstattwerkes. Stellungnahme zu Missbrauchsvorwürfen gegen P. Josef Kentenich, 2.7.2020)

Als Schönstätter Marienschwestern haben wir in diesem föderativen Leitungsgremium des internationalen Schönstattwerkes an dieser Stellungnahme mitgearbeitet. Da die Anschuldigungen gegen P. Josef Kentenich insbesondere unsere Gemeinschaft betreffen, ist es uns ein Anliegen, die in der gemeinsamen Erklärung getroffenen Aussagen mit Nachdruck zu bekräftigen.

Inhalt und Stil der Veröffentlichung von Dr. Alexandra von Teuffenbach haben uns verletzt. Wir weisen die darin enthaltenen Vorwürfe in aller Deutlichkeit zurück. Was die Autorin aus der Sicht des damaligen Visitators P. Tromp SJ wiedergibt, entspricht in keiner Weise dem, was unsere Geschichte nachhaltig geprägt hat, wie wir uns als Gemeinschaft erleben und was wir anstreben.

Den Gründer haben die aufeinanderfolgenden Generationen unserer Gemeinschaft als authentische und glaubwürdige Persönlichkeit erfahren. Es war ihm von Anfang seines Wirkens an ein Anliegen, innerlich gefestigte und freie Persönlichkeiten formen zu helfen. Nicht zuletzt durch seine Erfahrungen im KZ Dachau war Josef Kentenich äußerst sensibilisiert für das hohe Gut der Würde und persönlichen Freiheit.

Dass es auch aus den Reihen der eigenen Gemeinschaft in der Zeit der Visitationen Anklagen gegen P. Kentenich gegeben hatte und dass diese seine Stellung als Gründer und geistlicher Vater betrafen, gehört zum allgemeinen Wissen um unsere Geschichte. Nachdem alle Dekrete gegen ihn aufgehoben waren und er in den letzten drei Lebensjahren seine Gründertätigkeit wieder aufnehmen konnte, gab es keinen Anlass, von Anschuldigungen gegen seine moralische Integrität auszugehen, die noch nicht entkräftet worden wären.

Die alten Anklagen, die Frau von Teuffenbach neu vorbringt, treffen heute auf ein gesellschaftliches Klima, in dem man auf jede Art von Missbrauch überaus sensibel reagiert, und das zu Recht. Es ist ganz in unserem Interesse, der historischen Wahrheit so nah wie möglich zu kommen. Dazu gehört selbstverständlich, dass wir offene Fragen nach bestem Wissen zu beantworten suchen. Wichtig erscheint uns dabei, dass eine Antwort nicht nur defensiv punktuell erfolgt, sondern auch Hintergründe und Kontext nachvollziehbar werden. Ein solches Verständnis schließt auch ein, das spirituelle und pastorale Gesamtanliegen Josef Kentenichs zu beachten.

Im Interesse einer auch wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte Schönstatts und unseres Institutes ist es uns wichtig, dass möglichst alle Aspekte der damaligen Vorgänge berücksichtigt werden. Wir sind bereit, dazu unseren Beitrag zu bringen

Berg Schönstatt, 4. Juli 2020

 

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