04.05.2020

11.500 Kinder in den Armen gehalten

von Hans Hidber, Mels, Schweiz

Mit 90 Jahren verstarb am Heiligabend 2019 die

Schönstatt-Schwester M. Bernarda Brunner (1929-2019).

Sie war die Pionierin der Säuglingsfürsorge und Mütterberatung im Sarganserland und erwarb sich in den über 25 Jahren ihres engagierten Wirkens einen legendären Ruf.

„Meine Hauptaufgabe sah ich immer darin, dem Wohl der Familien, besonders den Müttern und ihren Kindern zu dienen, sie zu fördern, zu stützen und ihnen mit Rat und Tat den bestmöglichsten Start ins Leben zu geben“, schrieb Sr. M. Bernarda Brunner in ihren Aufzeichnungen. Ihr Augenmerk galt aber nicht nur den Säuglingen: „Den Eltern versuchte ich Sicherheit, Selbstständigkeit, Selbstvertrauen, vor allem auch Freude und Mut an ihrer schönen und verantwortungsvollen Aufgabe zu vermitteln.“ Inzwischen sind manche der rund 11.500 Kinder, die sie einst in den Armen hielt, selber zu Eltern geworden. Den Müttern, die zwischen 1969 und 1995 ihre Dienste in Anspruch nehmen durften, wird sie unvergessen bleiben.

Vielseitige Aufbauarbeit

Sr. M. Bernardas Tätigkeit beschränkte sich keineswegs darauf, in den verschiedenen Gemeinden als mobile Beratungsstelle Sprechstunden abzuhalten. Schon bald nach ihrem Antritt organisierte und erteilte sie Säuglingspflegekurse. Diese wurden immer besser von den werdenden Müttern und allmählich auch von den Vätern besucht. „Nach einigen Jahren legte ich immer größeren Wert auf persönliche Gespräche.“ So konnte sie sich auch bei zahlreichen Hausbesuchen ein Bild über das familiäre Umfeld machen und so besser auf die individuellen Fragen und Probleme eingehen. Sie führte die telefonischen Beratungsstunden ein, gab neben den Kursen für werdende Eltern auch solche in den Schulen.

Kinderschwester als Berufung

Sr. M. Bernarda wurde 1929 als erstes Kind einer Bauernfamilie geboren. Aus der Schule entlassen, half sie im elterlichen Haushalt und bei der Erziehung ihrer acht nachfolgenden Geschwister. Dies weckte ihren Wunsch, Kinderschwester zu werden. 1951 erwarb sie sich das Diplom als Kinderpflegerin. Nach verschiedenen Praktika in Säuglings- und Wöchnerinnenheimen und Spitälern entschied sie sich 1957 für den Eintritt in die Gemeinschaft der Schönstattschwestern. Nach dem Noviziat arbeitete Sr. M. Bernarda als Krankenschwester der weitläufigen Gemeinde Quarten. 1962 besuchte sie einen Kurs für häusliche Krankenpflege, der sie befähigte, Kurse zu erteilen. Als die Bitte an die Schönstatt-Gemeinschaft in Quarten kam, eine Schwester zur Verfügung zu stellen für den Aufbau einer Mütterberatungsstelle, war Sr. M. Bernarda sofort bereit, die Ausbildung zur Säuglingsfürsorgerin zu absolvieren. Danach trat sie 1969 die Stelle an.

Während fast 30 Jahren diente Sr. M. Bernarda mit großem Engagement den Säuglingen, Kleinkindern und Müttern, war oft mit dem Auto und auf weiten Strecken auch zu Fuß zu einsamen Höfen unterwegs. Nach ihrer Pensionierung führte sie den Haushalt auf einer kleinen Schwesternfiliale. 2005 kam sie, nach der Diagnose einer heimtückischen Krankheit, auf die Pflegeabteilung der Gemeinschaft in Weesen, wo sie nach längerer Leidenszeit am 24. Dezember 2019 starb.

(auszugsweise aus dem «Sarganserländer» vom 31. März 2020)