25.03.2020

Fest der Verkündigung des Herrn

von Schwester M. Dionéia Lawand

Maria, voll der Gnade!

Zum Festtag heute möchten wir einige Worte dieser biblischen Szene betrachten, wie Pater Josef Kentenich sie am 10. Januar 1965 in einer Predigt für die deutsche Gemeinde in Milwaukee / USA dargelegt hat. Er sagte:

 „Das Ave im Ohr (Lk 1,26-38).

Von wem stammt denn das Ave? Vom lieben Gott selber. Wer lässt die Gottesmutter also grüßen? Der Ewige Gott, der Dreifaltige Gott durch einen Boten. Und die Gottesgelehrten haben sehr viel Gewicht darauf gelegt, hervorzuheben, dass der Engel formell und unmittelbar nicht mit einem Gebot kommt, sondern mit einem Antrag. Der liebe Gott wendet sich also an die Willensfreiheit der lieben Gottesmutter: ‚Willst Du?‘ Wir möchten das. ‚Bist du bereit?‘“ (Aus dem Glauben leben 16, Seite 76/77)

Wie ist Gott ehrfurchtsvoll und einfühlend, wenn er sich an uns wendet. Haben wir seine Winke mit Aufmerksamkeit und Glauben verstanden? Haben wir ihm geantwortet?

Am 18. Oktober 1914 erneuerte sich auf eine besondere Weise die Stunde der Verkündigung in Schönstatt. Es ist eine neue „Stunde der Verkündigung für die Gottesmutter und für uns!“  Für die liebe Gottesmutter ist es ein göttlicher Auftrag:

Christus ins Heiligtum und vom Heiligtum aus der Welt zu bringen!

Das Heiligtum wird zum Nazareth für unsere Zeit. Hier vereint die ewige Weisheit das „Ja“ Mariens, der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt, mit dem „Ja“ von Pater Kentenich. Ausgehend von diesem Liebesbündnis beginnt Schönstatt im Herzen der Kirche zu schlagen, wird ein „Leuchtturm“ für die Kirche und die Welt.

Am Festtag der Verkündigung des Herrn werden auch wir gnadenhaft angeregt, wie die liebe Gottesmutter die Botschaften Gottes in unserem Leben zu entdecken. Gott spricht zu uns in jedem Augenblick. Wir müssen aufmerksam sein und unsere Antwort geben.

Wie spricht Gott zu uns? Was ist unsere Antwort? Auch von unserem Ja hängt die Wirksamkeit des Liebesbündnisses, die Rettung vieler ab.

Pater Kentenich sagt weiter: „Was tat sie also? Dasselbe, was wir immer tun müssen, wenn wir die Frage stellen, ob und wie und wann und wo der liebe Gott irgendwie einen Wunsch äußert. Es sind drei Punkte: erstens, sie dachte nach, was ihr der Engel da alles sagte. […] Daran hatte sie wohl nie gedacht, dass sie auserlesen sein sollte, die Mutter des Ewigen Wortes, des Erlösers, zu werden. Sie dachte nach. Und nachdem sie selber nicht zu Streich kam, fragt sie: Wie soll das denn nun eigentlich geschehen? Und nachdem sie auf das Wie eine Antwort – allerdings eine eigenartige Antwort – bekommen hat – wie lautet die Antwort? Bei Gott ist kein Ding unmöglich; einfach der Hinweis auf die Allmacht Gottes –, da ist der Geist zufrieden, dann sagt sie ihr aufrichtiges, herzliches Ja.“ (Ebd., 77/78)

Und Pater Kentenich zieht die Schlussfolgerung: „Andächtige Zuhörer, was wären wir ohne diese Verkündigungsszene! Was wäre aus der Welt geworden, aus uns geworden, wenn die Gottesmutter nicht im Namen der menschlichen Gesellschaft, der menschlichen Natur das Ja gesprochen hätte …?“ (Ebd., 78)

Der Heilige Vater, Papst Franziskus, lädt uns ein, diese Haltung Mariens zu betrachten: „Die Entscheidung ist der dritte Schritt, der jede christliche Berufung prägt, und er wird zum Ausdruck gebracht durch die Antwort, die Maria dem Engel gibt: ‚Mir geschehe, wie du es gesagt hast‘ (V. 38). Ihr ‚Ja‘ zum Heilsplan Gottes, umgesetzt durch die Menschwerdung, ist die Hingabe des ganzen eigenen Lebens an ihn. Es ist das ‚Ja‘ des vollen Vertrauens und der völligen Fügsamkeit gegenüber dem Willen Gottes. Maria ist das Vorbild für jede Berufung; sie inspiriert jede Berufungspastoral: Die jungen Menschen, die auf der Suche sind oder sich nach ihrer Zukunft fragen, können in Maria jene finden, die ihnen hilft, den Plan Gottes für sie selbst und die Kraft, ihm zuzustimmen, zu finden.“ (Besuch des Papstes Franziskus in Loreto, 25. März 2019)

So wie Maria ihr „Ja“ gegeben hat für die Sendung, die Gott ihr anvertraute, so sind auch wir gerufen, unser „Ja“ zu geben.