20.01.2020

Referentin an der KZ-Gedenkstätte Dachau

von Sr. M. Elinor Grimm

„Überlebensstrategien“ 

zu diesem Thema hielt ich am 12. Oktober 2019 erstmals einen Themenrundgang in der Konzentrationslager-Gedenkstätte Dachau. Das Thema habe ich vor einem Jahr vorgeschlagen, weil ich es interessant fand und hoffte, dabei manches von unserem Gründer, Pater Josef Kentenich, erwähnen zu können. Immer wieder entdecke ich in der Vorbereitung weitere beeindruckende Beispiele von Häftlingen. Auch andere Leute wurden aufmerksam.

 Das Bayrische Fernsehen wird aufmerksam

So meldete sich das Bayerische Fernsehen und wollte eine Vorankündigung zum 12.10. bringen. Die Aufnahmen wurden bei Dauerregen in der Gedenkstätte gemacht. Obwohl ich seit zehn Jahren Rundgänge mache, war ich doch aufgeregt. Sonst weiß ich zum Beispiel, woher die Schulklasse kommt, wie alt die Schüler sind usw. Nun aber musste ich mich überraschen lassen. Den kurzen BR-Beitrag, der erst später gesendet werden konnte, kann man in der Mediathek noch sehen:

 Spezialthema „Geistliche im KZ Dachau“

Zeitgleich sind seit dem 22.10.2019 nun endlich auch die Seiten über Pater Kentenich aus dem Gedächtnisbuch „Namen statt Nummern“ online.

In diesem wertvollen Buch finden sich bereits mehrere Beiträge über Häftlinge aus der Schönstattbewegung. Als ich seinerzeit zusammen mit Mitschwestern den Bericht über Pater Kentenich erstellt habe, bot sich mir die Möglichkeit, am Ausbildungskurs für Referenten teilzunehmen. Dafür bin ich heute noch dankbar, zumal inzwischen nur noch lizenzierte Referenten Rundgänge durchführen dürfen. Mein Spezialthema ist „Geistliche im KZ Dachau“, Pater Kentenich als Häftling Nr. 29392 im KZ Dachau.

Gedächtnisbuch – deutsch

Schönstatt-Besucher aus aller Welt

Diese Rundgänge mache ich vor allem für Schönstattgruppen. Die meisten kommen aus dem Ausland. Dieses Jahr war zum ersten Mal auch eine Erwachsenengruppe aus Frankreich, aus dem Raum Cambrai da. Demnächst kommen wieder Studentinnen, die meisten aus Südamerika, die an der „Schönstattzeit“ teilnehmen. Für nächstes Jahr sind schon internationale Gruppen gemeldet, eine davon aus Australien. Für das neue Thema gibt es auch schon zwei Termine am 12.01.2020 und am 11.05.2020.

Überleben, Durchhalten – das hat viel mit Resilienz zu tun. So kann ich manche Lebenshilfen erwähnen, zum Beispiel von Viktor Frankl (KZ-Häftling, Psychotherapeut). Überlebensstrategien brauchen wir alle, um im Alltagstrott nicht unterzugehen, um unsere Würde zu bewahren und die der anderen, die verachtet, unterdrückt und verfolgt werden. Es gilt, wachsam zu sein, gerade heute, wo weltweit Eigeninteressen, Nationalismen, Konflikte, Gewalt zunehmen.

Hoffnungsvoller Blick auf Maria

Wie tröstlich und hoffnungsvoll ist da der Blick auf Maria, die Muttergottes. In der großen Not des KZ hat Pater Kentenich sie 1942 zur Brot- und Heimmutter erwählt, zur Advokatin und Königin. Maria hat ihn beschützt. Am 6. April 1945 konnte er kurz vor Kriegsende das KZ verlassen – ein Wunder in unseren Augen. Viele andere sind in diesen Wochen noch gestorben, vor allem an Flecktyphus.

So auch Pater Richard Henkes SAC, der sich wie manche andere bereit erklärt hat, freiwillig bei den Todkranken zu bleiben. Am 15.9.2019 konnte ich bei seiner Seligsprechung im Limburger Dom dabei sein. Vor wenigen Tagen durfte ich eine Studienfahrt in der Gedenkstätte begleiten, die auf den Spuren Pater Henkes unterwegs war. Er hat zwar nicht überlebt, aber er, wie auch die 57 Seligen des KZ Dachau, sind heute vielleicht lebendiger denn je. Ich vertraue auf ihre Fürsprache.