05.01.2020

Nur ein (Kinder-)Traum?

von Sr. M. Sophia Brüning

Du wirkst – Von innen her mehr bewegen

Der Blick in meinen Kalender verspricht eine spannende und abwechslungsreiche Zeit, in der ich wieder mit vielen Frauen zusammenkomme: Seminarabend in Brühl, Teambesprechung in Euskirchen, Oasentage in Schönstatt, Adventsveranstaltungen im Sauerland, in Paderborn, Duisburg und Köln … Dazu verschiedene Vorbereitungen zum Frauenkongress im Mai 2020 in Schönstatt.

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Dass ich einmal quer durch Deutschland „touren“, verschiedenste Frauenveranstaltungen begleiten und jetzt auch Teil dieses Großprojektes sein würde, hätte ich mir als Kind nicht träumen lassen – obwohl es doch so etwas wie (m)ein Traum war.

„Das will ich auch mal machen!“

dachte ich als Kind, wenn in unser Haus regelmäßig eine Schwester kam und sich die Tür zum Wohnzimmer schloss – dahinter eine Runde Frauen (meine Mutter mit dabei), die sich in Ruhe über ein religiöses oder pädagogisches Thema austauschen wollten.

Zeitgleich entdeckten wir als Teenager die Schönstatt-Jugendarbeit, in der wir uns fortan gerne engagierten. Der Marienschwester, die die Jugendarbeit vor Ort inspirierte, habe ich sehr viel zu verdanken. Durch Mitarbeit, wachsende Mitverantwortung und viele Treffen wurde mir ein Zweifaches klar:

1. „So will ich auch mal werden!“ Die Schwester war immer froh, schenkte viel Vertrauen und konnte gesund fordern. Sie war schon „älter“, aber das war kein Kriterium für mich. Sie war vor allem mütterlich.

2. „Das will ich auch mal machen!“ Das würde mir Freude machen: Was ich hier lerne, weitergeben an viele.

Und was vor allem habe ich gelernt? Gott war für mich als Kind einfach „nur“ Gott. Durch Schönstatt wurde er für mich mehr und mehr „Vater“. Einfach so, wie Jesus ihn nennt: Vater. Vertraut und persönlich. Im Liebesbündnis mit Maria, die selbst ganz Kind vor dem Vater im Himmel war, durfte und darf ich lernen, wie das auch heute geht: Kind vor Gott, dem Vater, sein, sich von ihm führen lassen …

Hier gehörst du hin

Mein erster Besuch in Schönstatt verlief sehr nüchtern. Der Eingang zum Urheiligtum war mit einem Schrubber versperrt: frisch geputzt. So sah ich diesen besonderen Ort nur „von außen“. Viele weitere Aufenthalte mit der Jugend oder später auch privat vertieften in mir die Gewissheit: Hier ist dein Ort. Hier gehörst du hin!

Mein Kindertraum hat sich erfüllt. Als Marienschwester arbeite ich nun schon seit Jahren in der Frauenbewegung Schönstatts mit. Diese Aufgabe beschenkt mich sehr. Die Arbeit in den verschiedenen Teams macht sehr viel Freude. Es ist eine schöne Herausforderung, gemeinsam immer neu zu tasten: Wie können wir Frauen von heute mit Schönstatt bekannt machen, so dass ihr Leben reicher, tiefer und froher wird? Die Palette der Veranstaltungen ist bunt: Persönlichkeitswerkstatt, Seminare, Tag der Frau, „Eine Stunde für DICH“, Oasentage mit und ohne Kinder, abendliche Gruppentreffen …

Wie heißt der bekannte Spruch? Es mag der Mann die großen Zeiten bauen – es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen. Ja, ich staune, mit wie viel Kraft die Frauen im Hier und Jetzt stehen. Wie viele Ehen und Familien werden durch sie gestärkt – nicht nur die eigenen! Wie viel Einsatz im Kollegenkreis auf der Arbeit! Wie viel kirchliches Engagement! – Ein kraftvolles Wort hörte ich erst letztens, als eine frisch-frohe, glühende Erstkommunionkatechetin aus unserer Schönstattbewegung Frauen und Mütter sich nicht entmutigen ließ, weil viele der Kinder nach der Erstkommunion nicht weiter dabei sind. Sie sagte einfach: „Wir sind zum Säen da!“ – und meldete sich direkt wieder für das Team der nächsten Vorbereitungsrunde. Wie viel Einsatz in der Schönstattbewegung an den Zentren, in der eigenen Gemeinschaft, im Miteinander vor Ort!

Ja, die Frauen prägen ein Klima mit, in dem der Einzelne zählt, in dem Gott erfahrbar werden kann, in dem Verantwortung füreinander erlebbar ist.
Durch die Begegnungen mit den ungezählt vielen Frauen bin ich sehr beschenkt worden. Ich danke Gott, dass ich ihm in dieser Aufgabe helfen darf.