12.10.2018

Josef Engling, unser „großer Bruder“

von Sr. M. Thereslitha und Sr. Eva-Maria

Kongressgemeinschaft in den Spuren Josef Englings

Nachdem wir als Vertreterinnen unserer weltweiten Familie den 15. September 2018 und seinen Umkreis in seiner ganzen Tiefe erleben durften, freuten wir uns auf die Begegnung mit Josef Engling an seinem 100. Todestag. Am 4. Oktober frühmorgens fuhren wir als Kongressgemeinschaft mit einem Bus und einem Auto nach Cambrai. Die Fahrt wurde gestaltet mit Impulsen über Stationen im Leben Josef Englings, mit Liedern und Gebeten, aber auch Zeit für persönliches Nachdenken oder Unterhaltung mit der Nachbarin war eingeplant.

Gut eingestimmt kamen wir in Cambrai an und wurden freudig begrüßt von den beiden Schwestern, die sich schon seit einigen Tagen dort zum Helfen aufhielten. Überall waren unter der Regie von Abbé Jean-Marie Moura, dem Priester beim Heiligtum, eifrige Helfer dabei, alles für die Veranstaltungen heute und am ganzen Wochenende vorzubereiten: im Festzelt, auf dem Gelände, im Haus, ums Heiligtum. Die Europa-Auxiliar weilte mit einer kleinen Gruppe aus Frankreich und Belgien ebenfalls in unserer Mitte.

In der Zeit bis zum Mittagessen oder danach gingen Einzelne oder Gruppen zum Gebet ins Heiligtum oder zur Todesstelle Josef Englings auf dem gegenüberliegenden Acker, wo ein neues großes weißes Kreuz die Stelle kennzeichnet.

Um 13.30 Uhr feierte Herr Dr. Biberger mit uns im Heiligtum der Einheit die heilige Messe und zeigte in der Predigt Josef Engling als Vorbild im Sinne seines Persönlichen Ideals: seine Dienstbereitschaft und seine große Marienliebe.

Sakramentale des Ortes und der Zeit

Mit dem Bus fuhren wir dann um 15.00 Uhr zum Friedhof in Eswars, wo wir uns in einer sehr beeindruckenden Statio in die letzten Lebensstunden Josef Englings hineinnehmen ließen. Sich an Ort und Stelle, und etwa zeitgleich um 100 Jahre zurückzuversetzen, war wirklich ein berührendes Erlebnis und ließ uns das Sakramentale des Ortes und der Zeit erfahren. Die Landesfähnchen, die viele in Händen hielten, erinnerten uns daran, dies alles stellvertretend für unsere weltweite Familie mitzuvollziehen.

In diesem dichten Klima erwarteten wir gegen 16.00 Uhr die weiteren Gruppen, mit denen wir gemeinsam den Todesweg gehen wollten: einen Bus mit Schönstattmüttern aus Schwaben, Wallfahrer aus Schönstatt mit Vertretern verschiedener Gliederungen, Pilger aus Cambrai und Umgebung, Schönstatt-Patres, Priester und Marienbrüder … Eine mehrsprachige Einstimmung über die Situation an diesem Ort vor 100 Jahren nahm uns alle in eine tiefe Atmosphäre hinein.

Josefsweg in großer Weggemeinschaft

Dann gingen wir in einer langen Prozession den Todesweg, angeführt von der Europa-Auxiliar, die abwechselnd von den Teilnehmern getragen wurde. Auf diese letzte Wegstrecke bis zum Heiligtum nahmen wir alle Anliegen von Kirche und Welt, unserer Familie, unserer Schönstattgemeinschaften und unsere persönlichen Bitten mit. Im Wechsel zwischen kurzen Impulsen aus Josef Englings Leben mit Anregungen zu stiller Reflexion und Rosenkranzgebet in verschiedenen Sprachen zogen die ca. 180 Teilnehmer durch die Straßen. Eine solch internationale Schar von Marienschwestern hat Cambrai bisher wohl noch nicht gesehen.

Vor der letzten Wegkreuzung, mit Blick auf die Todesstelle, erklärte Marienbruder Amrhein sehr anschaulich die bewegenden letzten Momente in Josefs Leben, als die Gottesmutter sein Lebensangebot für Schönstatt annahm. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr Josef mit der lieben MTA, mit unserem Vater und dem Heiligtum verbunden war und wie ruhig und vorbereitet er in den Tod ging.

„Ich bin vorbereitet und habe alles in Ordnung“,

dies waren einige seiner letzten Worte. In Stille gingen wir den Rest des Weges bis zum Heiligtum.

Dort waren inzwischen der neue Erzbischof von Cambrai, Vincent Dollmann, viele Priester und Pilger für den Gottesdienst um 18.00 Uhr angekommen. Für uns war es Zeit, der Gottesmutter im Heiligtum zu danken und Abschied zu nehmen, weil wir die Heimfahrt antreten mussten. Dabei hatten wir Gelegenheit, Echos auszutauschen, unseren Dank in internationalen Liedern zum Ausdruck zu bringen und immer neu zu wiederholen, was unser Vater von Josef Engling sagte: Er ist die gelebte Gründungsurkunde und die vorgelebte Gründungsgeschichte, …

ein Schönstattheiliger … unser „großer Bruder“.