12.08.2018

IHR SEID MEIN BRIEF – 05

von Schw. Gretelmaria Wolff

Karl Leisner

Victor in Vinculis Mariae

 

Biographische Notizen

*  28. Februar 1915 Rees, Niederrhein

†  12. August 1945 Planegg bei München

Karl Leisner wurde am 25. März 1939 im Dom zu Münster zum Diakon geweiht. Seine Priesterweihe war

am 17. Dezember 1944 im KZ Dachau.

Karl war Jungscharführer und Diözesanjugendführer, Theologe, Diakon, Priester und Märtyrer.

Sein Seligsprechungsprozess wurde
am 15. März 1980 in Münster begonnen und
am 30. September 1982 abgeschlossen.

Am 23. Juni 1996 wurde Karl Leisner als Märtyrer durch Papst Johannes Paul II. in Berlin selig gesprochen.

Spirituelles Profil

Karl Leisner wuchs in einem religiösen Elternhaus am Niederrhein auf. Er engagierte sich als mitreißender Führer in der katholischen Jugendbewegung, ungeachtet der Schwierigkeiten, die ihm dieser Einsatz im nationalsozialistischen Deutschland einbrachte. Kurz vor dem Abitur kam Karl bei einer Gymnasiastentagung Ostern 1933 in ersten Kontakt mit der MTA im Heiligtum und der Spiritualität Schönstatts. Er erkannte seinen Einsatz als Jugendführer als apostolische Berufung: Er wollte für die Jugend Führer sein als Werkzeug Christi und als Begleiter zu Christus.

Immer wieder kam er zu sprechen auf diese „herrliche Gymnasiastentagung in Schönstatt, der ich so viel an Gnade und Berufung verdanke“ (1939). „Ich habe dort so viele schöne und gute Vorsätze und Pläne gefasst“ (1933).

Er entdeckte als junger Erwachsener den pädagogischen Weg Schönstatts für seine Selbsterziehung im Dienste des Apostolates.

Er arbeitete von der ersten Stunde an aktiv mit in einer Theologengruppe unter der Leitung von Heinrich Tenhumberg, dem späteren Bischof von Münster. Diese Gemeinschaft von Priestern des Apostolischen Bundes von Schönstatt, das Miteinander im Gebet und im Einsatz füreinander wurden sein Halt, seine innere Heimat bis in die letzten Stunden seines Lebens. Ihr Gruppenideal erschloss ihm seinen Leidensweg im Licht seiner priesterlichen Berufung. Er wählte es als Motto für sein Primizbild: „Sacerdotem oportet offere“ (Der Priester muss opfern).

Das Bildmotiv dazu entwarf seine Dachauer Schönstattgruppe: gefesselte Priesterhände, die den Kelch erheben, im Hintergrund ein gotischer Fensterbogen, der zugleich an das Kapellchen der MTA in Schönstatt erinnerte. Hier hatte Karl Leisner das Fiat seiner Ganzhingabe aus dem Geist der Blankovollmacht, „nel spiritu del schecco bianco“, wie er humorvoll getarnt aus dem Gefängnis schrieb, in die Hände der MTA gelegt und im Martyrium froh eingelöst. 

Beziehung zu Pater Josef Kentenich

Erstaunlich ist, dass Karl Leisner wohl keine direkte persönliche Begegnung mit P. J. Kentenich hatte. Tagungen und Exerzitien, die er mitmachte, wurden von anderen Patres gehalten. In Dachau musste Karl Leisner zwei Tage nach der Ankunft von P. J. Kentenich auf das Krankenrevier umziehen.

Dennoch wussten beide voneinander und schätzten einander. Die Gruppenarbeit in seiner Priester- und Dachaugruppe war ganz aus dem Geiste Schönstatts inspiriert und griff jeweils die Impulse auf, die P. J. Kentenich zur Jahresarbeit und zu den Festen des Kirchenjahres anbot. Karl lebte aus den aktuellen Strömungen der Schönstattfamilie und trug sie von innen her mit. Er hielt selbst unter seinen besonders schwierigen Bedingungen im Krankenrevier des KZ Dachau monatlichen Kontakt zu seiner Bundesgruppe. Kostbar waren ihm die schönstättischen kleinen Tagzeiten, die P. J. Kentenich auf Anregung seiner Dachaugruppe gedichtet hatte, und die die Gruppe Karl geschenkt hatte. Sie begleiteten ihn bis zu seinem Sterben.

Zur Weihefeier seiner Dachau-Gruppe mit dem Ideal „Victor in vinculis Mariae“ am 8. Dezember 1944, bei der Karl Leisner nicht anwesend sein konnte, schenkte P. J. Kentenich ihnen zwei Gedichte von achtundvierzig Vierzeilern, für die Karl sich in einem Brief bedankte. P. J. Kentenich deutete darin ihre schwere Lagersituation im Lichte des Victor-Ideals im Liebesbündnis mit Maria: Die Fesseln aller Art werden zu „Liebes-Vin-cula“, zu Liebesbanden: „Mit Jesus und Maria Victor werden, ist unser Ziel im Lebenskampf auf Erden.“

Zur Priesterweihe und Primiz von Karl Leisner widmet P. J. Kentenich ihm einige persönliche Gedichtzeilen, die Pater Fischer auf die Rückseite eines Bildes mit der Innenansicht des Heiligtums in Schönstatt schrieb:

„Zum Priester hat der Herr Dich auserseh‘n,
durch Dich will segnend durch die Welt er geh‘n,
will durch Dich opfern, beten, lieben, leiden,
und seine Schäflein hier auf Erden weiden.

Zur Seit‘ hat er die Mutter Dir gegeben,
die ihn begleitet hat durchs ganze Leben.
Ihr bleibe treu in allen Lebenslagen.

Sie hilft Dir, Last und Bürden freudig tragen,
lenkt Deine und der Seelsorgskinder Pfade
hin zu der sel‘gen Ewigkeit Gestade.
                                                                                       Sonntag Gaudete 1944

P. J. Kentenich wusste Karl Leisner bei dessen priesterlichem Freund, P. Otto Pies SJ, in guter und liebevoller Weise betreut. Auf die später gestellte Frage, warum es nicht zu näherem Kontakt zwischen ihm und Karl Leisner gekommen sei, erläutert er P. Josef Fischer in einem Brief: „… Stehe jedoch nicht an, mit großer Bewunderung anzuerkennen, mit welch nimmermüder Sorgfalt und Treue sich P. Pies um unseren Bundespriester bis zum Ende von dessen Leben bemüht hat. … Wenn wir Schönstätter in Dachau seinen Spuren nicht gefolgt sind, so geschah es in der Hauptsache deshalb, weil wir den Kranken bei ihm gesichert und geborgen wussten und das Gesetz der Arbeitsteilung uns auf viele, viele andere Arbeitsgebiete hinwies“ (J. K. 1954).

Quelle: Margareta Wolff, Ihre Herzen haben Feuer gefangen, Schönstatt 2008, ISBN 978-3-00-026075-9  

IHR SEID MEIN BRIEF – Impulse zum Kentenich-Jahr