11.05.2018

Maibeginn und Motorräder

von Schw. M. Anne-Meike Brück und Schw. M. Hanna-Lucia Hechinger

Zwischen dem Schönstatt-Zentrum in Trier und der Schönstatt-Au in Borken liegen über 300 Kilometer. Am 1. Mai 2018 wurde diese Entfernung durch eine Gemeinsamkeit überbrückt: Motorengeräusch, Benzingeruch und eine Menge Weihwasser. Was in Trier schon Tradition ist, wurde in Borken zum ersten Mal versucht: eine Motorradsegnung. Einige Streiflichter dieser besonderen Veranstaltungen:

Motorradsegnung beim Schönstattheiligtum in Trier

Wusstet Ihr schon, dass Paulus mit dem Motorrad auf Missionsreise gefahren wäre, wenn es damals Motorräder gegeben hätte? So musste er sich mit einem PS (Pferdestärke) begnügen. Solche und ähnliche Gedanken zum Schmunzeln gab es immer wieder in den Ausführungen von Pfr. Stefan Schaaf bei der Motorradsegnung am 1. Mai im Schönstattzentrum Trier. Unter den uralten Bäumen kamen das Motorengeknatter und der Benzingeruch von mehr als 60 Motorrädern so richtig zur Geltung.

Kurve anpeilen, reinbremsen, Gas aufziehen, die Power spüren

… Und dann das Wesentliche: Wie Paulus mit Jesus unterwegs sein. Die Motorradsegnung bringt das zum Ausdruck: „Ein Biker lässt sich optimal von Gott begleiten und weiß um dessen Schutz. Er bleibt verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll. Er nimmt den Weg, der zum Frieden führt.“

Am Ende des Wortgottesdienstes weiß jeder Biker: „So wie das Feuer sich im Brennraum des Zylinders bewegt, so ist es mit dem Heiligen Geist. Auch er bringt uns in Bewegung und lässt uns unterwegs sein. – Das ist eine besondere Art, Motorrad zu fahren.“

„Zügig – normal – gemütlich“ – für jeden die richtige Tour

Nach der Motorradsegnung gibt es leckeres Essen und dann geht es auf Tour. Jeder der Biker kann seine Tour wählen: zügig – normal – gemütlich. Für alle ist etwas dabei.

Mündliche und schriftliche Rückmeldungen bestätigen, dass sich die gute Vorplanung gelohnt hat: „Hallo, auf diesem Weg mal kurz Danke sagen für die gelungene Veranstaltung. Hat Spaß gemacht.“ So schreibt Stephan S. am nächsten Tag.

 Bei der ersten Motorradsegnung in Borken

standen im wahrsten Sinne des Wortes alle Zeichen auf Sturm: „Mir ist heute jedes Wort tief in die Seele gefallen“, meint ein Biker. Er drückt damit sein inneres Erleben an diesem 1. Mai 2018 aus, an dem in der Schönstatt-Au die erste Motorradsegnung stattfand. „Ich wollte schon immer mal zur Motorradwallfahrt nach Kevelaer“, schmunzelt Herr S., ein Nachbar der Schönstatt-Au, die Kaffeetasse in der Hand, „jetzt hab ich die Motorradsegnung vor der Haustür.“

Eigentlich standen an diesem 1. Mai-Tag im wahrsten Sinne alle Zeichen auf „Sturm“, doch die vermeintlichen Prognosen der Wetter-Apps stimmten nur bedingt. Immer dann, wenn es trocken sein musste, war es das auch. Kein Wunder, der Himmel hatte für diese Veranstaltung sichtbar die Regie übernommen.

Wenn der Himmel die Regie übernimmt

Mitte Februar 2018 fing alles ganz klein an. Eine Schwester brachte die Idee einer Motorradsegnung vom Schönstatt-Zentrum Trier mit nach Borken und so begannen die Planungen.

Die Gottesmutter machte die Veranstaltung zu ihrer Sache und mischte vom Schönstatt-Kapellchen aus kräftig mit. Es fanden sich Sponsoren für Warnwesten mit Spezialaufdruck: „Schönstatt-Au Biker Tour“, andere organisierten die Ausfahrt von 90 Kilometer, sprachen im örtlichen Radiosender und machten Werbung für die Veranstaltung – jeder auf seine Weise. Die Presse unterstützte uns im Vorfeld und schickte am 1. Mai von sich aus einen Redakteur.

Was haben Biker und Bischof gemeinsam?

Dann kam der 1. Mai 2018, und das Wetter schien einen Strich durch die Rechnung zu machen. Doch Biker sind wetterfest. So füllte sich der Vorplatz der Schönstatt-Au ab 10:00 Uhr mit den unterschiedlichsten Maschinen. Ein Biker meinte berührt: „Dass die Schwestern bei diesem Wetter unsere Maschinen angeschaut haben!“ Und nicht nur die Schwestern. Auch der emeritierte Erzbischof von Hamburg, Dr. Werner Thissen, der am Abend zuvor bereits den Marienmonat Mai in der Schönstatt-Au eröffnet hatte, ließ es sich nicht nehmen, die Motorräder schon beim Ankommen zu bewundern und er nahm sogar auf einem Platz. Seine menschennahe Art gewann die Herzen der Biker. Mit der Frage, was Biker und Bischof wohl gemeinsam hätten, begann er seine Ansprache während des Segnungsgottesdienstes. Verantwortung, Hilfsbereitschaft und Weitblick waren drei Leitworte, die er kurz ausführte.

Nächstes Jahr haben Sie das Haus voll

Beim anschließenden Imbiss kommt man ins Gespräch. Als die Biker nach einer ausgiebigen Runde durch den Kreis Borken zurückkommen und sich in der Cafeteria über diesen Tag austauschen, wird deutlich, dass die Beteiligung an dieser ersten Motorradsegnung bei dem schlechten Wetter nicht selbstverständlich war. „Wir waren teilweise ganz allein auf der Straße“, sagt einer. „Nächstes Jahr haben sie das Haus voll“, meint ein Mann beim Verabschieden, und diese Vorhersage wird des Öfteren wiederholt.
Motorrad-Wallfahrt BOR - TRIER