22.05.2020

100 Jahre Frauenbewegung in Schönstatt, Einblicke – 03

von Sr. M. Elwira Kedzia, Schönstatt

Die Schönheit des Frauseins entdecken

Ein Gespräch von Sr. M. Linda Wegerer mit Sr. M. Elwira Kedzia, Schönstatt

Sr. M. Linda: Sr. M. Elwira, vor fast sieben Jahren bist von Bydgoszcz in Polen nach Schönstatt gekommen. Kannst Du Dich noch erinnern, wie das für Dich war?

Sr. M. Elwira: Das weiß ich noch sehr gut. Ich habe mich gefreut, dass ich genau zur Eröffnung des Jubiläumsjahres Schönstatts gekommen bin, und ich hatte – um es mal so auszudrücken – großen Respekt vor meiner neuen Aufgabe.

Sr. M. Linda: War Dir damals schon klar, was diese Aufgabe alles in sich schließt?

Sr. M. Elwira: Nein! – Konkret wurde es, als sich Teilnehmer aus den Pilgerkreisen der polnischen Mission bei mir gemeldet haben und fragten:  Schwester, wann kommen Sie zu uns? Ja, und dann musste ich mir überlegen, wie das gehen kann. Welche Treffen mit welchen Inhalten biete ich an? Wie kann der äußere Ablauf sein?
Klar war für mich von Anfang an: Ich will den Menschen Schönstatt bringen. – Das wusste ich also. Aber ich wusste noch nicht, wie das im Detail gehen kann.

Sr. M. Linda: Da ich Deine Aktivitäten in den letzten Jahren ein wenig mitverfolgt habe, kann ich sagen: Aus diesen anfänglichen Überlegungen ist viel geworden. Kannst Du uns ein paar Beispiele nennen?

Sr. M. Elwira: Meine Hauptaufgabe sind Treffen für die Teilnehmer an den Pilgerkreisen. Die halte ich hier in Schönstatt und in den polnischen Missionen in ganz Deutschland.
Hier in Schönstatt biete ich auch Tagungen für Familien und Frauen an. Und ich begleite polnisch oder russisch sprechende Teilnehmer von Wallfahrten. Mein Lieblingsprojekt ist der Liebesbündnis-Tag, von dem ich hier auf der Homepage schon erzählt habe. (siehe hier)

Sr. M. Linda: Wenn Schönstatt also Dein offizieller Wohnsitz ist, so bist Du doch viele Tage des Jahres in ganz Deutschland unterwegs. Und ich muss sagen, dass Du schon in viel mehr deutschen Städten warst als ich.

Sr. M. Elwira: Ja, das stimmt. Ich bin unterwegs in ganz Deutschland. Aber ich sehe nicht viel von den Städten. Denn mein Weg führt im Normalfall vom Bahnhof zum Veranstaltungsort und wieder zurück. Und dennoch möchte ich sagen: Ich erfahre die Schönheit der Orte in den Menschen, die dort wohnen.

Sr. M. Linda: Das ist eine sehr schöne Aussage! – Kannst Du uns dazu noch etwas sagen?

Sr. M. Elwira: Für mich ist jeder Mensch ein wunderbares Geheimnis. Auch wenn ich mich über gute Teilnehmerzahlen freue, so darf ich doch erleben, wie jeder und jede Einzelne wichtig ist. Wenn sich ein Mensch öffnen kann für ein Leben mit Gott, ist das ein Geschenk für mich, eine Gnade Gottes.
Und ich bin sehr dankbar dafür, dass Gott mir gute Mitarbeiter schickt. Sie sind wirklich ein Geschenk Gottes für mich! Wenn sie jetzt in dieser Corona-Krise auch nicht wie sonst mithelfen können, sind sie doch richtig einfallsreich, wie sie mich unterstützen können.
Dadurch hat sich mein Anfangsschrecken: „So eine große Aufgabe und nur eine Marienschwester“ deutlich reduziert!

Sr. M. Linda: Zusätzlich zu allem anderen entstehen in Deinem Home-Office hier in Schönstatt viele Materialien! Gibt es da auch eine spezielle Initiative zum 100-Jahr-Jubiläum der Frauenbewegung Schönstatts?

Sr. M. Elwira: Ja! Ich verfasse monatlich einen Impuls, den ungefähr 150 Frauen in ganz Deutschland per E-Mail zugeschickt bekommen. Das sind Frauen, die Interesse an der Spiritualität Schönstatts haben und dankbar sind für Anregungen, die sie selber – in ihrer originellen Art – durcharbeiten können.
Es sind Hilfen, die Schönheit des Frauseins im Blick auf und mit Hilfe der Gottesmutter zu entdecken. Jeden Monat betrachten wir eine Blume und fragen uns: Was sagt sie uns über die Schönheit der Frau?

Sr. M. Linda: Welche Blume ist jetzt gerade dran?

Sr. M. Elwira: Die Seerose! Ihre tiefen Wurzeln erinnern uns daran: Wenn wir aus der Tiefe schöpfen, entdecken wir mehr und mehr unsere Schönheit. Ihre strahlende Blüte erinnert uns an das Schöne, die Freude, das Glücklich-Sein.
Wenn wir selber glücklich sind, können wir auch andere glücklich machen. Zum Beispiel durch ein Lächeln!

Sr. M. Linda: Sr. M. Elwira, Du hast diesen Mai-Vorsatz schon erfüllt. Du hast mich glücklich gemacht durch dieses Gespräch, durch Dein Erzählen. Wieder einmal habe ich gestaunt, wie gut Du Deutsch sprichst!
Leider sind meine polnischen Sprachkenntnisse auf nur ein Wort begrenzt. Aber das passt jetzt sehr gut!

Dziekuje! Danke!