29.08.2020

„Noch mehr ein Herz und eine Seele sein …“ (J. Kentenich)

von Schwester Antje-Maria Wunderwald

Bundesleiterin, Marianne Mertke; Generaloberin der Marienschwestern, Schwester M. Aleja Slaughter; Generaloberin der Frauen von Schönstatt, Frau Dr. Gertrud Pollak

„Noch mehr ein Herz und eine Seele sein …“,

dieser Wunsch Pater Kentenichs steht über der Feier der Krönungserneuerung, an der rund 100 Mitglieder der Säkularinstitute der Frauen von Schönstatt und der Schönstätter Marienschwestern sowie des Schönstatt-Frauenbundes am 8. August 2020 in der Anbetungskirche auf Berg Schönstatt teilnehmen.

Zur Vorbereitung haben sich Vertreterinnen der drei Gemeinschaften schon ab dem frühen Nachmittag stundenweise zum stillen Gebet am Krönungsort eingefunden, wo die Krone, mit Blumen geschmückt, bereitliegt.

Alle Frauen, die am Spätnachmittag dieses heißen Sommertages bei der Anbetungskirche ankommen, können spüren, dass sie willkommen sind – und gerade die Corona-Bestimmungen tragen dazu bei, dass jede persönlich mit Namen begrüßt wird. Die Gemeinschaften haben die Feier gemeinsam mit Liebe und Freude vorbereitet, das erleben die Teilnehmerinnen durch viele Details: sei es durch die inhaltsreiche Präsentation zur Einstimmung, die musikalischen Beiträge, die festliche Messgestaltung oder den königlichen Blumenschmuck.

Geschichte eines Miteinanders

Die Texte und Fotos der Präsentation laden dazu ein, 51 Jahre zurückschauen: Es war 1969, ein Jahr nach dem Heimgang Pater Kentenichs. Wie die gesamte Bewegung, so mussten auch die Frauengemeinschaften jetzt ihren Weg finden, wie sie in bleibender Verbundenheit mit dem Gründer die ihnen übertragene Sendung für die Frau in der modernen Gesellschaft weitertragen können.

Dieses Suchen wollten die Frauen von Schönstatt und die Marienschwestern der Gottesmutter gemeinsam anvertrauen. Als Ausdruck dafür schenkten sie ihr eine Krone und übergaben ihr die Verantwortung. Diese Krönung geschah ganz bewusst an dem Ort, an dem Pater Kentenich in die Ewigkeit gerufen wurde. Fünf Jahre später schloss sich der Frauenbund offiziell der Krönung an. In der Symbolik der Krone kommt die bleibende Originalität der Gemeinschaften und die Einheit in der gemeinsamen Sendung zum Ausdruck.

Die Leitungen der drei Frauengemeinschaften treffen sich seit mehreren Jahren regelmäßig zu einem Austausch und erneuern dabei die Krönung. Dabei sind die Grundanliegen der ersten Krönung bestehen geblieben und werden jeweils durch aktuelle Anliegen und Herausforderungen ergänzt.

Goldenes Jubiläum mit Verspätung – und doch zur rechten Zeit

Für das goldene Jubiläumsjahr 2019 war die Krönungserneuerung in einem größeren Rahmen geplant. Viele Mitglieder der drei Gemeinschaften sollten sie miterleben. Dass sich kein gemeinsamer Termin finden ließ, war der äußere Grund dafür, sie auf 2020 zu verschieben, auf das Jahr, in dem in Schönstatt 100 Jahre Frauenbewegung gefeiert wird – 100 Jahre, in denen Frauen Schönstatt wesentlich mitprägen. Gerade dadurch erhält die Krönung nun einen zusätzlichen, ganz besonderen Akzent.

Der Einstimmung zur Krönung folgt die Feier der Eucharistie, die in Texten und Liedern die Aspekte der Krönung aufnimmt. Dabei geben auch die konzelebrierenden Priester ein Zeichen des Miteinanders der Gemeinschaften: Der Generaldirektor der Marienschwestern, Dr. Bernd Biberger, steht dem Gottesdienst vor. Mit ihm zelebrieren der Priesterliche Assistent des Frauenbundes, Pater Antonio Bracht, Pater Juan Pablo Catoggio, Vorsitzender des Generalpräsidiums, und Dr. Christian Löhr, Mitglied des Generalpräsidiums. Pater José Melo, der Geistliche Direktor der Frauen von Schönstatt, kann wegen einer Auslandsreise nicht dabei sein.

Krönung: ein aktuelles Ja

Dr. Biberger greift in seiner Predigt zwei Aspekte der Krönungserneuerung auf:

Am 8. Dezember 2020 sind es 100 Jahre, seit die ersten Frauen, Gertraud von Bullion und Marie Christmann, das Liebesbündnis mit der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin geschlossen haben.

Dieses Jubiläum steht in einem gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext, in dem die Frage nach einem modernen Frauenbild und nach der Stellung der Frau heftig und kontrovers diskutiert wird. Wenn also an diesem Tag die Krönung der Gottesmutter erneuert wird, dann erklären sich die drei Gemeinschaften dazu bereit, ihren Beitrag zur Erneuerung der Frau in der säkularen Wirklichkeit einzubringen.

Bewegender Höhepunkt

Während der gesamten Feier kommt in Zeichen und Gesten immer wieder zum Ausdruck, dass die Krönungserneuerung ein gemeinsames Tun der drei Frauengemeinschaften ist und jede sich in ihrer Art einbringt.

Zur Gabenbereitung wird die kostbare Krone nach vorn zum Altar getragen, wo sie für alle sichtbar ihren Platz bekommt.

Besonders bewegend erleben es die Mitglieder der Gemeinschaftsleitungen, die beim Höhepunkt der Feier in der Gründerkapelle sind. Die Krönungserneuerung wird auch sichtbar gemeinsam vollzogen: Die Generaloberin der Frauen von Schönstatt, Frau Dr. Gertrud Pollak, und die Bundesleiterin, Marianne Mertke, stehen rechts und links des MTA-Bildes und berühren den Silberrahmen, während Schwester M. Aleja, die Generaloberin der Marienschwestern, die Krone erneut anbringt. Dieses Geschehen macht das gemeinsame Stehen im Liebesbündnis deutlich.

Jede Gemeinschaft und jede Einzelne ist gerufen, ihr Charisma und ihre Fähigkeiten einzubringen und ihren Beitrag zu leisten für die Sendung Schönstatts in der Kirche.

Das Fest geht weiter – einander im Garten begegnen

Nach der Krönungsfeier sind alle in den Garten des Noviziatshauses der Marienschwestern eingeladen, wo ein geschmackvoll hergerichtetes Buffet und kalte Getränke zur Stärkung einladen. Drei Schwestern erfreuen die Anwesenden während des ganzen Abends mit Musikstücken, dargebracht mit Akkordeon, Querflöte und Gitarre.

Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich die Gemeinschaften zu frohem Austausch in kleinen Gruppen zusammenfinden: Mehrere Frauen sind bald in ein Gespräch über die Wege ihrer Berufung zu Schönstatt vertieft. Ein Mitglied des Frauenbundes aus Tschechien und eine Marienschwester aus Burundi feiern ein überraschendes Wiedersehen nach 18 Jahren: Damals besuchten sie gemeinsam einen Deutschkurs. Viele dankbare Echos drücken aus, dass es einfach schön ist, dieses Fest miteinander zu begehen.

Alle erleben eine frohe Familienhaftigkeit in dem Bewusstsein: Unsere neu gekrönte Königin ist die eigentliche Gastgeberin, die dieses Fest bereitet hat, bei dem sowohl die Tiefe der gemeinsamen Spiritualität als auch das natürliche Miteinander erfahrbar wurden.

Fotos: Schw. Maritta Zell