13.09.2019

Sie sind nah an den Menschen (2. Teil)

von Patricia Hobi, Mels, Schweiz

Eine Journalistin lebt einen Tag mit den Marienschwestern

Auszug aus einem Zeitungsartikel von Patricia Hobi, Mels, Schweiz

(2. Teil)

Ein Leben für Gott und die Mitmenschen: Im Zentrum Neu-Schönstatt in Quarten leben 28 Schönstätter Marienschwestern.

Ein Besuch bei ihnen zeigt, dass sie alles andere als zurückgezogen leben.

Donnerstag

Bei mir kommt es nicht oft vor, dass ich vor sieben Uhr aufstehe. Der Tagesablauf bei den Marienschwestern sieht anders aus. Bereits vor 6.00 Uhr stehen sie auf und begeben sich in die Marienkapelle. Der Tag beginnt, wie er aufgehört hat: mit einem Gebet. Wieder spricht eine Schwester den Reim, und die anderen Schwestern setzen „im Chor“ bei ihren Passagen ein. Nach dem Morgengebet betet jede Schwester weitere 30 Minuten für sich. Um 7.30 Uhr folgt die Eucharistiefeier in der hauseigenen Kapelle. Mit dabei sind neben den Marienschwestern auch einige Privatpersonen, vielleicht Hotelgäste, vielleicht auch solche, die hier gerne den Gottesdienst besuchen.

Im Ferienlager mit dem Thema: Goldgräber

Es ist kurz nach acht Uhr, der Pfarrer schickt uns in Frieden dahin und ich fühle mich, als hätte ich schon eine ganze Menge gemacht an diesem Morgen – und dabei noch nicht einmal gefrühstückt. Jetzt spüre ich den Hunger, und zum Glück treffe ich beim Ausgang sogleich auf Schwester M. Monja Schnider. Mit ihr darf ich mit den Familien, die das Muki-Vaki-Ferienlager besuchen, frühstücken. Das Lager hat das Thema „Goldgräber“. Es wird alljährlich angeboten. Schwester M. Monja macht es das siebte Mal und stellt für ihre Gäste ein vielseitiges Programm zusammen. Heute geht‘s nach Unterterzen an den See zum Baden.

Gemeinsam Blumen stecken

Meine nächste Station ist bei Schwester M. Antonia Stanek in einem Raum voller Blumen, Töpfen und Dekomaterial. Sie stammt aus Polen, ist seit 18 Jahren Marienschwester und seit sechs Jahren in Quarten. Als Mesmerin kümmert sie sich um das Schmücken der Gotteshäuser. Gemeinsam stecken wir Blumen und Blätter in Steckmoos. Rote Gladiolen und gelbe Lilien, dazu einige Blätter zur Zierde. Schwester M. Antonia ist sehr geübt, ich gar nicht, was man auch am Gesteck sieht. Dennoch gefällt ihr mein Resultat, und mir eigentlich auch. Gemeinsam tragen wir unsere Gestecke in die Hauskapelle, wo wir sie neben dem Tabernakel – darin sind die Hostien aufbewahrt – platzieren. Noch sind die Blumen geschlossen, doch bald werden sie sich öffnen und die Kapelle mit ihrer Schönheit erfüllen.

„Unterwegs zu dir“

Kurz vor dem Mittagessen begleitet sie mich zu Schwester Ursula-Maria Bitterli. Diese berichtet vom Projekt „Unterwegs zu dir“, bei welchem ein Marienbild von interessierten Familien untereinander weitergegeben wird. Der Initiant Joao Luiz Pozzobon stammt aus Brasilien. Inzwischen sind 300.000 Pilgerbilder in 120 Ländern unterwegs, und fast 900 in der Schweiz und in Liechtenstein. Vor dem Mittagessen steht bei den Marienschwestern eine weitere halbe Stunde Beten auf dem Programm.

Frohes Plaudern und aufmerksames Zuhören

Um 13.00 Uhr gibt es Mittagessen – heute draußen. Eine Schwester steht hinter dem Grill. Die anderen haben sich um die Festbänke versammelt. Es herrscht eine frohe Stimmung. Die Schwestern plaudern. Eine spielt Gitarre und die anderen singen. Musizieren ist etwas, das sie oft machen und was ihnen viel Freude bereitet. Nach dem Glacé möchten die Schwestern wissen, was ich in meinem Beruf mache und warum ich hier bin. Wir setzen uns in einen Kreis und die Schwestern hören mir sehr aufmerksam zu und stellen Fragen. Ein bisschen umgekehrte Welt.

Fotos von Eltern und ihren Babys

Meine letzte Station ist bei Schwester M. Joseline Becchio, die als Bewegungsschwester für die Familien verantwortlich ist und Seminare für Familien und Paare organisiert. An ihrer Wand hängen Fotos von Eltern mit ihren frischgeborenen Babys und Familien, die in die Kamera lachen. Und einmal mehr sehe ich, warum die Schwestern betonen, dass sie nicht abgeschottet in einem Kloster, sondern eben in einem Säkularinstitut leben. Sie sind nahe an den Menschen und möchten ihnen etwas mitgeben.

Um 16.00 Uhr verabschiede ich mich und fahre zurück auf die Redaktion. Ich denke, auch wenn mein Leben sich von dem der Schwestern sehr unterscheidet, dass wir trotzdem einiges gemeinsam haben. Wir alle haben unsere Werte und Überzeugungen, treffen unsere Entscheidungen mit allen Konsequenzen und mit der Hoffnung, möglichst oft glücklich zu sein.