Ein Lebenszeugnis: Schwester M. Emilie

Biographisches: 1893 geboren, wächst Emilie Engel in der kleinen Gemeinde Husten im Sauerland als viertes von zwölf Kindern in einer bäuerlichen Großfamilie auf. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin kommt sie ins Ruhrgebiet und lernt dort die soziale Not der Menschen kennen. Ihr Grundmotiv ist, in diesen Verhältnissen die "Ärmsten am wärmsten" zu lieben und ihnen ihr Schicksal zu erleichtern.

Sie lernt die Schönstattbewegung kennen und stellt sich 1926 Pater Kentenich für die Gründung der Schönstätter Marienschwestern zur Verfügung.Schon als junge Schwester bietet sie Gott ihr Leben an, damit die Gemeinschaft Heilige hervorbringt. Gott nimmt ihr Angebot ernst.

Eine tückische Lungentuberkulose beendet nach neun Jahren ihre aktiveTätigkeit im Dienst der Gemeinschaft. Es folgt eine lange Krankheitsphasemit schweren Operationen und Phasen totaler Isolierung. Sie nimmt alldas als Teil ihrer Berufung an. 1946 überträgt Pater KentenichSchw. M. Emilie die Leitung einer der ersten Provinzen der Gemeinschaft.Doch eine fortschreitende Lähmung schränkt ihre Tätigkeit wachsend ein.Trotz heftiger Schmerzen strahlt Schw. M. Emilie Freude und Güteund einen unerschütterlichen Glauben aus. Am 20. 11. 1955 stirbt sieim Alter von 62 Jahren.

In Schw. M. Emilie begegnen wir einer Frau, die im Lauf ihres Lebens zu menschlicher Reife gewachsen ist. In ihrer Veranlagung und Lebensgeschichte zeigt sich manches, was die Entfaltung zu seelischer Stärke und Reife eher erschwerte: Ängste, die über das Normale hinausreichten, jahrzehntelange schwere Krankheit und, daraus folgend, wachsende Behinderung. Aber in der Begegnung mit Pater Kentenich findet sie zu reifem Selbstbewusstsein und tiefer Geborgenheit in Gott.

Sie hatte weder Lebens- noch Sterbeangst. Vielen sind besonders ihre leuchtenden Augen in Erinnerung. Eine junge Frau, die Schwester M. Emilie kurz vor deren Tod kennen lernt, sagt anschließend: "Es schien, als ‚leuchtete’ der ganze Raum durch sie. Dieses tiefe Leuchten aus ihrer Seele und auf ihrem Gesicht bei einer so großen körperlichen Gebrechlichkeit, die fast dahinter verschwand, bleibt mir unvergesslich."