20.08.2015

Wenn plötzlich alles anders wird ist Liebesbündniszeit

Es ist Mittwoch, 5. August 2015. Um 17:00 Uhr steht fest dass die Schönstatt-Au am Donnerstagabend für 150 Flüchtlinge zur Notunterkunft wird. Es kam alles plötzlich und unerwartet. Sowohl für die Stadt, die morgens von der Bezirksregierung Arnsberg den Anruf erhalten hatte, bis zum nächsten Tag 18:00 Uhr Platz für 150 Flüchtlinge zu schaffen, als auch für die Schwestern der Schönstatt-Au.

Doch Gott spricht durch Ereignisse und Menschen. Spontan kommt uns die Predigt in den Sinn, die Weihbischof Michael Gerber am 18. November 2014 in der Pilgerkirche gehalten hat. Die Parallele  zur Kriegssituation in Schönstatt 1914: dem Lazarett im Studienheim und unsere heutige Zeit. Unter anderem sagte er:

„Origineller Nachvollzug der Gründungsgeschichte. Liebe Schwestern und Brüder, ich frage mich, ob uns die Gottesmutter nicht durch die Nöte, die wir derzeit erfahren, neu darauf aufmerksam machen, dass die Gottesmutter im Schatten unserer Heiligtümer den Platz für so manches Lazarett bereit hält? Für die an der Seele Kriegsverwundeten unserer Tage?“

Die Gottesmutter wollte wohl beim Heiligtum der barmherzigen Vaterliebe solche Menschen haben um sie zu beschenken. 72 Flüchtlinge sind bis jetzt angekommen, für 150 ist Platz. Doch bis die Herberge bereitet  war, musste einiges passieren. Dazu einen Ausschnitt aus dem Bericht der Borkener Zeitung vom 7. August 2015:

„72 Asylbewerber sind am Donnerstagabend in ihrer Notunterkunft in der Schönstatt-Au angekommen. Die meisten von ihnen stammen aus Albanien. Einige sind auch aus dem Irak und aus Nordafrika nach Europa geflohen.

Den ganzen Tag über hatten mehr als 70 Helfer von Feuerwehr, DRK, Maltesern, Baubetriebshof und einige kurzfristig beauftragte Firmen Teile des Wallfahrtsortes in eine Flüchtlingsunterkunft verwandelt. Um das zu schaffen, absolvierten Helfer am Donnerstag ein enormes Pensum. Auf einer Wiese vor dem Gebäude bauten sie ein zehn mal zwanzig Meter großes Zelt auf, in dem es täglich drei Mahlzeiten gibt. In einem weiteren Zelt stehen Waschmaschinen sowie Spiele für die Kinder bereit. Dusch- und Sanitätscontainer wurden ebenfalls herbeigeschafft. Bauarbeiter machten zwei Durchbrüche, um Zugang zu den Versorgungszelten zu schaffen …

Die Betten stehen in zwei Gebäudeteilen der Schönstatt-Au. Die Marienschwestern räumten ihre Aula, in der nun Etagenbetten für rund 90 Personen stehen. Im zweiten Stock bezogen die Asylbewerber 30 Zimmer, die sonst Wallfahrer buchen. Auch dort wurden Etagenbetten aufgebaut … Möglicherweise kommen in den nächsten Tagen weitere Flüchtlinge nach Borken, so dass alle Betten belegt werden … Wie lange die Asylbewerber in der Schönstatt-Au bleiben werden, ist noch offen. Es handelt sich um eine Notunterkunft, die auf drei Monate befristet ist. Eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen.“ Soweit der Ausschnitt aus der Lokalpresse.

Und auf einmal ist alles anders. Zeit für das Liebesbündnis, für eine Kultur des Bundes. Wenn man im Kapellchen kniet, hört man die  Stimmen der kleinen Kinder. Auch der Spielplatz wird bereits fleißig besucht. Es wird Einschränkungen und noch manche Schwierigkeit geben, darauf sind hier alle gefasst. Bei allem werden jedoch die Veranstaltungen weitergehen. Vielleicht manchmal etwas anders, als ursprünglich geplant. Auch die Cafeteria und der Buchladen werden wie bisher geöffnet sein.

Liebesbündnis: Nichts ohne Dich – nichts ohne uns. Gott spricht – und das war die erste Antwort: Die frohe Bereitschaft der Schwestern und das tatkräftige Zusammenspiel aller Verantwortlichen und Helfer. Die nächsten Schritte wird der Himmel zeigen. Was zählt, ist das Zeichen, das gesetzt wurde. Die Dreimal Wunderbare Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt ist die eigentliche Gastgeberin, und sie berührt schon ganz sacht das eine oder andere Herz. Wie z.B. bei dem Mann aus Albanien, der eine Schwester auf dem Weg trifft und anscheinend etwas sagen möchte. Im gleichen Moment kommt ein Sicherheitsmann vorbei, der die Sprache beherrscht. Dieser Mann möchte einen Gottesdienst besuchen und der Sicherheitsmann erklärt auf Albanisch, dass es im Heiligtum und morgens um 7:00 Uhr in der Kirche die Möglichkeit gibt, an Gebeten teilzunehmen.

Auf dem gleichen Weg kommt ein Arzt vorbei, er kennt die Unterkünfte in der Umgebung und meint: „Schwester, was ich hier gesehen habe, ist Spitze. Das hier Nächstenliebe pur.“ Oder auf schönstättisch: Kultur des Bundes

 

 

 

Von: Schw. M. Hanna-Lucia Hechinger